Samstag, 6. Dezember 2014

Trauma - ein Traum

Am letzten Montag begann ich wie geplant meine Rotation in der Unfallchirurgie. Mit gemischten Gefühlen machte ich mich morgens um 8 Uhr auf den Weg zur Morgenkonferenz.
Hier wurde ich freundlich von meinem neuen Chief/Boss, der besten Assistenzärztin im letzten Jahr, wie ich später erfuhr, willkommen gehießen. In der Morgenkonferenz trifft sich die ganze Abteilung und es werden einmal alle Patienten besprochen. Die verschiedenen Fälle werden immer von den Assistenten vorgestellt. An diesem Morgen wurde schon scharf geschossen von den Oberärzten. Da kam auch schon einmal der Kommentar, ob die Assistenten nicht wüssten, dass sie bewertet werden hinsichtlich der Patientenpräsentation. Oh, oh, dachte ich mir.
Danach ging es für mich in die Sprechstunde für Verbrennungsopfer und dann gleich in den OP. Dort hieß es mal gleich hands-on. Wir verlegten ein Stoma - künstlichen Darmausgang - zurück. Der Oberartz lies mich dann auch einmal meinen Finger - nein, nicht ins Stoma - sondern in die Wunde und in den Bauchraum stecken um die Adhäsionen zu fühlen, die zwischen Darm und Bauchinnenwand bestanden.
Danach durfte ich noch gleich mal eine Platzwunde in der Notaufnahme nähen. Es ging also schon einmal gut los für mich. Ihr könnt euch vorstellen, wie glücklich ich war.

Am nächsten Tag lief ich dann die Morgenvisite mit um 5.45 Uhr. Ja genau noch früher aufstehen. Aber dafür darf man in Trauma auch schon um 17 Uhr nach Hause gehen, sofern nicht gerade dann ein Notfall in die Notaufnahme rein kommt. Das ist ganz angenehm.
Nach der Visite gibt es immer unzählige Konferenzen. Das ist echt nervtötend. Dann wenn man eigentlich die größte Schaffenskraft hat, sitzt man hier in einem Konferenzsaal und zumindest ich schlafe dabei fast ein. Um 10 Uhr am Dienstag begannen wir dann endlich mal die Oberarztvisite. Gleicher Oberarzt, der am Montagmorgen so scharf geschossen hat. Meine Mitstudentin und ich bekamen schon zitternde Knie. Es kommt aber ja immer anders als wir denken - wie wir ja inzwischen wissen. Der Typ ist nämlich ein ganz Netter. Er hat aber leider einen regen Gesprächsbedarf, was darin ausartete, dass die Visite doch tatsächlich 4 Stunden dauerte!!!!! Ich dachte immer, diese zeitintensiven Visiten gibt es nur in der Inneren, aber da hatte ich mich wohl geirrt. Danach war der Tag dann auch fast um.

Am Mittwochmorgen wartete die erste Herausforderung auf mich. Ich sollte meinem Chief 2 Patienten vorstellen, die ich mir in der Morgenvisite angeschaut hatte. Gesagt getan. War gar nicht so schwer...
Nach dem Konferenzmarathon schaute ich mir dieses Mal die Oberarztvisite auf der Trauma-ITS an. Ich hatte zwar keinen Plan von den Patienten, aber gut. Nebenbei durfte ich dann noch bei der Anlage einer Thoraxdrainage zu schauen. Am Ende kam dann die Oberärztin zu mir und meinte, wenn ich will darf ich auch gern mal eine Patienten vorstellen in der Visite... Will ich das wirklich? Nein! Aber das konnte ich ja schlecht sagen... Die Patienten dort haben so eine lange Latte an Verletzungen, dass man erst einmal eine Stunde darin inverstieren muss, sich die Akte zu Gemüte zu führen. Das werde ich  wohl nächste Woche mal machen müssen...
Am Nachmittag wurde ich dann in die Kunst des Thoraxdrainage ziehens eingewiesen und durfte es auch gleich ausprobieren. Kein großes Ding. Am Donnerstag durfte ich dann noch eine Drainage ziehen. Inzwischen fühle ich mich darin so gut, dass ich mir vorstellen kann, es auch allein zu machen. So ging dann auch mein 3. Tag in der Trauma vorbei.

Trauma ist echt toll. Nicht nur vom Fach selbst, sondern auch hinsichtlich der Tatsache, dass sie einfach so viel von einem verlangen, dass man super viel lernt. Ich frage mich ja, wo der Haken an dieser tollen Rotation ist. Ich hoffe, ich werde es nie herausfinden...

Und dann kam Donnerstag!! Aber dazu im nächsten Artikel mehr. Ihr dürft gespannt sein :D.

Bis dann,
Julia.

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