So richtig ist in dieser Woche nichts passiert. Außer 27,5 Stunden mit nur 40 Minuten Schlaf. Ich würde mal sagen, dass ist mein neuer Rekord.
Die Woche begann mit einer second look-explorativen Laparatomie in einem instabilen Patienten. Er wurde schon in der Nacht das erste Mal aufgemacht. Dennoch blutete immernoch etwas in seinem Bauch. Um dem ganzen auf den Grund zu gehen, eröffneten wir den relativ großen, längsgerichteten Mittellinienschnitt in der Bauchwand wieder. Dann gingen wir auf die Suche nach der Blutung. Darm raus und einmal entlang des Darms nach Blutungen geschaut. Leider wurden wir nicht fündig. Also ging es weiter mit Leber und Milz.
Wir konnten nicht so richtig was finden. Nur um der Milz war ein wenig Blut, sodass man sich entschied die Milz zur Sicherheit zu entfernen. Das Organ sah auch gar nicht mehr gut aus. Hier kam ich endlich mal wieder zu meinem persönlichen OP-Workout. Ich durft die großen Bauchhaken halten. :-) Mit einer Milz weniger machten wir den Patienten wieder zu. Er stabiliesierte sich danach glücklicherweise.
In dieser OP stellten wir einen neuen Personalrekord im OP auf. 3 Oberärzte (2 von der Trauma und 1 von den Gefäßchirurgen), 1 Assistent und ich. Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung wofür die OP diesen Personalauflauf brauchte... meine Meinung nach absolute Ressourcenverschwendung, was hier im Krankenhaus desöfteren mal vorkommt.
Am Freitagmorgen - meinem on-call-Tag - fand wieder eine ex-Lap, wie man sie nur kurz nennt, statt. Wieder war ich dabei :-). Auch dieses Mal konnten wir nicht so richtig was Blutendes finden außer Hämatom. Also entfernten wir das Hämatom und noch einen Teil des Omentum majus - der großen Bauchschürze -, das einige Löcher aufgrund des Unfalls, den der Patient hatte, erlitt.
Im Anschluss machte ich mich an meine Notes, die ich jeden Tag für die Patienten, die ich mir am Morgen anschaute, schreiben muss.
Am Nachmittag war dann absolut nichts los und ich saß nur herum. Gegen späten Abend machte ich mich dann mal auf in die Cafeteria um mich für den anstehenden Nachtdienst zu präparieren. Dort traf ich glücklicherweise auf meine Mitbewohnerin. Immer dann wenn ich gerade mein Essen bezahlt habe, kommt in der Regel ein Notfall rein. Am Freitag zumindest nicht. So konnte ich mich zu ihr setzen und ein bissel quatschen. Mein Pager war solange ruhig bis ich aufgegessen hatte. Level 1-Trauma in der Kindernotaufnahme. Dort müssen wir leider auch immer hin, obwohl wir das Erwachsenen-Team sind. Naja war nichts allzu besonderes.
Auf dem Rückweg traf ich auf mein 2.Jahr-Pendant. Die 2.Jahres MedStuds können hier freiwillig in der Trauma mitlaufen. Und schon ging der Pieper wieder... Ich weiß ehrlich gesagt schon gar nicht mehr, wieviele Patienten ich in dieser Nacht sah und wer, was hatte.
Irgendwann am Abend machten wir uns dran einen Patienten mit 4 Platzwunden auf der Stirn zu nähen. Natürlich besoffen! Als ich endlich mit den ersten Stichen angefangen hatte, fiel dem guten Herren auf, dass er pinkeln muss... Vorsichtig erklärte ich ihm, dass das jetzt gerade nicht möglich ist. Natürlich lies er nicht locker. Neben seinem Harndrang hatte er nämlich auch noch ein besonders ausgeprägten Rededrang. An sich nicht besonders schlimm - ich habe inzwischen gelernt, wie ich in der Notaufnahme einfach meine Ohren ausschalte -, dummerweise bewegte er beim Reden auch gleichzeitig seine Stirn, was das Nähen nicht einfacher machte...
Irgendwann wurde es der Ärztin glücklicherweise zu bunt, ich nahm einfach mal mein steriles Tuch von seiner Stirn und er konnte sich erleichtern. Danach laberte er noch ein wenig, aber dann war endlich auch Ruhe im Karton. Der andere Student durfte dann auch mal parallel zu mir nähen unter der Aufsicht der Ärzten. Das wurde dann schon ganz schön eng mit so vielen Händen auf einer Stirn...
Diese Patienten - besoffen, Rede- und oft auch Harndrang - stellen meine Geduld oft auf die Probe. Dummerweise muss ich mich ja hier an die amerikanisch Freundlichkeit halten...
Endlich fertig damit, machte sich der Kommilitone auf den Weg nach Hause und ich mich auf zu meinem Bett...
40 Minuten später:
Mein Pieper wollte einfach nicht seine Klappe halten. Also machte ich mich aus dem Tiefschlaf gerissen mit einem gefühlten Blutdruck unter 0 mmHg, schlaftrunken und rennend auf in die Notaufnahme. Selbst der kleine Sprint brachte meinen Blutdruck nicht hoch. In der Notaufnahme die Papiere ausfüllend, dachte ich nur, bitte jetzt nicht umkippen. Die blutende Wunde des Patienten war nicht unbedingt eine Hilfe dabei. Aber irgendwie schaffte ich es dann doch mich auf den Beinen zu halten.
Dem Patienten wurde eine Glasflasche über den Schädel gezogen und das CT enthüllte noch Glassplitter in einer Wunde hinter dem Ohr. Ich hatte dann das große Vergnügen, die Splitter heraussuchen zu dürfen. Nach einer riesigen Menge an Lokalanästhetikum, das ich in ihn versenkte, konnte ich endlich mit Spülen anfangen... Natürlich war nichts zu finden bzw. ich traute mich jetzt auch nicht super tief in der Wunde herum zu bohren. Dies überlies ich einfach mal großzügig der Ärztin. Sie fand dann auch 3 kleine Glassplitter. Danach durfte ich dann noch mal zum Werk schreiten und das ganze mit einem dutzend Stiche verschließen.
Das war geschafft. Und die nächste Platzwunde mit Fremdkörper wartete schon auf mich. Dieses Mal unter dem Auge/Unterlid. Sogar so nah, dass ich da nicht einfach mit der Lokalanasthesiespritze heran gehen konnte. Nach endlosem Warten erklärte mir die Ärztin, wie ich das betäuben sollte. Ein Nervenblock der N. infraorbitalis war die Lösung. Jetz weiß ich auch endlich, warum man die Nervenaustrittspunkte fühlen können sollte. Nach Spülen und ein bissel Puhlen in der Wunde, war natürlich auch hier nichts zu finden - zumindest für mich. Also wieder ab zur Ärztin. Sie entschied glücklicherweise mal die plastischen Chirurgen hinzu zu ziehen.
Normalerweise ziehen sie hier bei jedem kleinen Bisschen die plastischen Chirurgen hinzu. Ich frage mich echt, warum nicht in dieser Nacht öfter...
Danach war ich endlich entlassen aus der Notaufnahme und machte mich auf den Weg zur Station für eine kurze Stippvisite. Glücklicherweise fand ich noch ein wenig Zeit für eine post-call Frühstück in der Cafeteria mit Rührei, Würstchen und Pfannkuchen bevor die Morgenbesprechung anfing. Der Oberarzt fand es dann noch besonders wichtig alle Patienten im Detail zu besprechen... Meine Augen machte schon ganz komische Bewegungen, weil ich so müde war. Nach 27,5 Stunden durfte ich endlich abtreten.
Eigentlich lief an diesem Morgen noch eine coole OP. Der Patient hatte ein Pneumomediastinum - also Luft in dem Raum um dem Herzen, die dort nicht hin gehörte. Hätte ich mir gern angesehen, aber ich war so müde, dass ich im Stehen eingeschlafen wäre. Das wäre eindeutig nicht so gut angekommen.
Nach wunderschönen 7 Stunden in meinem Bett bin ich dann am Samstagabend mit meiner Mitbewohnerin zum Eislaufen unter freiem Himmel gegangen. Eine tolle Abwechslung hier in Providence.
Glücklicherweise habe ich jetzt den Wochenenddienst hinter mir. Das heißt ich muss zwar noch eine Nachtschicht machen, dann aber an einem Wochentag und ich bekomme den nächsten Tag frei... Notaufnahme am Wochenende ist echt die Hölle.
Adios.
Julia.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen