Sonntag, 7. Dezember 2014

27 Stunden

In der Tauma muss jeder Student einmal in der Woche einen Nachtdienst machen. Das gestaltet sich so, dass man ganz normal morgens anfängt und einfach bis zum nächsten Morgen durchmacht. Meine Wahl viel auf Donnerstag.
Es ging ganz normal mit meiner Visite los. Im Anschluss gab es wieder ein paar Konferenzen und dann ging ich in die Sprechstunde für ehemalige Trauma-Patienten. Hier untersuchte ich einige der Patienten vor. Unter anderem sah ich eine Morel Lavallée Verletzung... ja sowohl ich als auch die Assistenzärztin mussten erst einmal nachschauen, was das überhaupt ist. Hierbei kommt es zu einer Abscherung der Haut und dem darunterliegenden Fettgewebe von der Muskelhaut. Das besondere daran ist, dass es eine geschlossene Verletzung ist - also keine Kommunikation mit der Außenwelt besteht. Dies kommt natürlich sehr, sehr selten vor. Am häufigsten an der Hüfte.
Danach hatte ich meinen 2. Einsatz im OP. Ich sah eine Hauttransplantation. Um genau zu sein: eine Maschenhauttransplantation. Dabei wird von einer Stelle des Körpers Haut entnommen mit einer Dicke von 1/12.000 und diese Haut mit einem Rautenlochmuster versehen. Damit kann man nämlich einen größeren Defekt decken als das Transplantat eigentlich groß ist. Die Entnahme der Haut sah auf jeden Fall sehr schmerzhaft aus. Nachdem sie dieses Rautenmusten hineingelocht hatten, wurde das Transplantat festgenäht. Eigentlich ganz unspektakulär.

Und dann war auch schon die Zeit gekommen, zu der alle anderen nach Hause gingen und ich da blieb. Ich hatte glücklicherweise Dienst mit einer netten Ärztin. Sie meinte, ich solle doch nur dann kommen, wenn der Pieper einen Notfall in der Aufnahme ankündigt oder eine OP stattfindet. Also verzog ich mich auf mein Zimmer. Hier bringt einem ein Zimmer im Gerry House einen riesige Vorteil...
Nach einer Stunde ging mein Pieper zum ersten Mal und dann auch gleich 5 Mal in 15 Minuten. Es gab einen Autocrash mit 3 Autos und alle Verletzten kamen zu uns. Damit hatten wir erst einmal gut zu tun. Endlich konnte ich meine Untersuchungskünste unter Beweis stellen.

Ich war gerade nach 3 Stunden Notaufnahme wieder in meinem Zimmer angekommen und hatte mich soweit bettfertig gemacht, dass ich auch schnell wieder in meine Turnschuhe springen konnte und im Notfall schnell in der Notaufnahme wäre, da ging mein Pieper.... Ein alter Herr der nur ein paar Bierchen, wie er behauptet hatte, getrunken hat und nun einen Blutalkoholspiegel von - sage und schreibe - 4,7 Promille hatte. Er war gefallen - kein Wunder würde ich mal sagen. Der Patient hatte eine schicke Platzwunde auf der Stirn. Meine Chance etwas zu nähen. Um Mitternacht fingen wir an und waren erst um 1.30 Uhr fertig. Die Wunde war nicht sehr groß, aber dafür kompliziert.
Ich fing an, die Ärztin stand neben mir und machte mich noch auf ein paar Details aufmerksam. Nach vier Stichen fiel ihr auf, dass ich das falsche Nahtmaterial genommen hatte. Düdümmm... Also alles noch einmal von vorn. Dabei wollte sie mir gleich zeigen, wie man tiefe Stiche macht... Dabei traf sie dann aus versehen auf ein Gefäß... es blutete und blutete. Aber sie brachte die Blutung zum stehen mit einer besonderen Nahttechnik. Danach war ich wieder dran - nun aber mit dem richtigen Nahtmaterial. Das lief auch super gut, so wie sonst auch immer bei meinen Mäuschen.

Endlich konnte ich mich wieder auf zu meinem Bett machen. Nach 3 Stunden, die meinem Schlafzentrum allerdings nur wie 30 Minuten vorkamen, kündigte mein Pieper den letzten Notfall für diese Nacht an. Eine alte Dame, die gestürzt war und nun eine Hirnblutung und eine neurologische Beeinträchtigung hatte. Das Übliche also... Hier kam mal wieder die Frage nach der Henne und dem Ei - wer war zu erst da? auf - Schlaganfall und dadurch der Sturz mit Blutung oder einfach nur Sturz und dadurch Blutung? Wir werden es wohl nie herausfinden.

Am Morgen hieß es dann noch einmal meine Patienten visitieren und vorstellen. Im Anschluss wieder scheinbar endlose Konferenzen und dann endlich ab ins Bett. Nachmittags um 16 Uhr war ich wieder ansprechbar.

Fazit: 27 Stunden waren nicht so schlimm, wie ich sie mir vorgestellte. Nächste Woche mache ich meinen Wochenendnachtdienst. Da ich am Wochenende ja nicht regulär tagsüber arbeite, läuft dies auf "nur" 13 Stunden hinaus. :) Aber dafür wahrscheinlich 13 Stunden ohne wenigstens ein wenig Schlaf...

Bye bye!
Julia

1 Kommentar:

  1. Holy S..moke!
    Um diese Nachtschicht beneide ich dich echt nicht! Aber wenigstens lernst du einiges dazu, was ja das Ziel deines Aufenthaltes ist.
    Liebe Grüße von
    ICH geh' bald in's Bett, weil ich ganz früh raus muss!

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