Da wäre zunächst einmal
unser Campus, unsere Heimat für den letzten Monat. Diese
liegt zwar abgegrenzt hinter Maschendrahtzäunen und Schranken, ist dadurch aber
auch recht sicher und wir hatten bisher nie das Gefühl hier bedroht zu sein.
Aus diesem Grund, kann man sich auch zu Fuß und abends recht frei hier bewegen,
was einem ansonsten in Südafrika nicht möglich ist.
Auf dem Campus befindet sich fast alles, was das Studentenherz begehrt: Neben den Unterkünften gibt es einen kleinen Supermarkt, eine Mini-Mensa, einem Sportclub, ein Büchergeschäft, ein Musikkontor und (zu Jules absoluter Freude) auch 4 Tennisplätze und ein Rugby-Feld. Viele Straßen des Campus haben medizinische Namen. So gibt es z.B. die „Aorta Avenue“, den „Hippokampus“ oder den „Gastro intestinal track“ (Magen-Darm-Weg). Die hiesigen Studenten gestalten das Campusleben sehr farbenfroh, mit Gesangswettbewerben und sportlichen Wettkämpfen.
Auf dem Campus befindet sich fast alles, was das Studentenherz begehrt: Neben den Unterkünften gibt es einen kleinen Supermarkt, eine Mini-Mensa, einem Sportclub, ein Büchergeschäft, ein Musikkontor und (zu Jules absoluter Freude) auch 4 Tennisplätze und ein Rugby-Feld. Viele Straßen des Campus haben medizinische Namen. So gibt es z.B. die „Aorta Avenue“, den „Hippokampus“ oder den „Gastro intestinal track“ (Magen-Darm-Weg). Die hiesigen Studenten gestalten das Campusleben sehr farbenfroh, mit Gesangswettbewerben und sportlichen Wettkämpfen.
Die Welt hinter dem Zaun
An den Eingängen vieler
Stationen findet man noch Gittertüren, durch welche man nur kommt, wenn man
einen Chip besitzt oder so lange klingelt bis endlich mal jemand öffnet. Daneben
läuft zumindest in den beiden Notaufnahmen Security-Personal herum. Das gibt
dem Ganzen so ein wenig Gefängnisflair. Allerdings ist das auch manchmal von
Nöten, wie Jule schon am Beginn ihrer Famulatur feststellen musste. Einer der
Patienten, der eh schon in die Psychiatrie eingewiesen werden sollte, schnappte
sich einen Feuerlöscher, randalierte einmal über den halben Notaufnahmeflur und
wurde dann glücklicherweise vom Sicherheitspersonal ruhig gestellt.
Die Notaufnahmen bestehen
aus einem langen Flur und davon abgehende Patientenzimmer, wobei leider der
Flur auch ständig mit Patienten und ihren Betten vollgestellt ist. In der
Nicht-Trauma-Notaufnahme (entsprechend der ganze restliche Notaufnahmekram)
muss ein minderschwerer Fall in der Regel drei Tage auf ein Bett zunächst in
der Notaufnahme warten - von der Zeit, auf die die Patienten für ein Bett auf
Station warten müssen, wollen wir gar nicht reden. Sie warten dann entweder in
einem kleinen, zugigen Warteraum oder auf einer Trage (, die aussieht wie aus
den 1960ern,) im Flur.
In der Trauma-Notaufnahme
sieht es dagegen etwas besser aus außerhalb der Stoßzeiten. Der Flur ist nicht
bis zum Geht-Nicht-Mehr mit Patienten und ihren Bett vollgestellt. Alle
Patienten, die sitzen können, sitzen hier in einem kleinen Wartebereich - das
zwar manchmal für mehrere Tage. Allerdings zu Stoßzeiten (am Wochenende und
Monatsende - PayDay) sieht das dann auch schon wieder anders aus. Plötzlich ist
auch hier wieder der komplette Flur mit Tragen voll.
Nähen von Wunden ist die
Hauptaufgabe der Studenten in der Trauma-Notaufnahme. Für die Lokalanästhesie
werden hier noch Metallspritzen verwendet - wie früher beim Zahnarzt. Beim
ersten Anblick zweifelt man zwar, ob das gut geht, aber nach dem ersten
Ausprobieren, lernt man auch damit umzugehen (nur das man damit leider nicht
aspirieren kann und damit das Risiko für eine intraarterielle Applikation des
Lokalanästhetikums steigert...-glücklicherweise ist noch nie etwas passiert).
Ansonsten läuft das Nähprozedere hier genauso wie in Deutschland ab, nur dass
es mir immer ein wenig unsteriler vorkommt. Wenn die Ärzte selbst nähen (oder
auch Sanitäter) kann es schon mal sein, dass gar kein Nadelhalter verwendet
wird, sondern die Nadel per Hand geführt wird.
Etwas was wir eigentlich
für eine Trauma-Notaufnahme als selbstverständlich angenommen haben, ist hier
doch etwas rar gesäht: das Morphin. Hier müssen die Patienten mit schwersten
Verletzungen teilweise mehrere Stunden auf ihre Schmerzmedikation warten, weil
entweder der Arzt erst seine Akten zu Ende bearbeiten muss, die Schwester mit
dem gewissen Schlüssel gerade in der Pause ist oder einfach kein Morphin mehr
da ist. Wenn es denn endlich soweit ist und der Patient die gedacht erlösende
Spritze erhält, erhält er dann doch nur 10 mg Morphin intramuskulär. Für die
Behandlung von stärksten Schmerzen braucht man jedoch bis zu 30 mg i.m.. Diese
10 mg Morphin führen bei den meisten Patienten nur zu einer kleinen Schmerzreduktion.
Blutabnahmen waren am
Anfang auch etwas gewöhnungsbedürftig. Zu Hause besitzen wir fertige Nadeln,
auf die man die Röhrchen nur noch drauf stecken müssen. So etwas gibt es
natürlich hier nur selten. Man behilft sich hier mit einer stinknormalen Kanüle
und einer Spritze, mit der Blut abgenommen wird. Die Kanüle ist natürlich ohne
Sicherheitsverschluss - man will ja den gewissen Nervenkitzel nicht verlieren. Das
abgenommene Blut wird anschließend in die Röhrchen, die man von zu Hause kennt,
umgefüllt. Fragt mich nicht, wie man hier ein aussagekräftiges Resultat
bekommt, aber es funktioniert ja scheinbar.
Im Gegensatz zu diesen
veralteten Methoden und Einrichtungen findet man dann aber wieder die neuste
Technik im Arztzimmer (zwei riesige Flatscreens), im OP (modernere Endoskope als
in Dt.) oder im Labor (extra eine Maschine um DNA zu extrahieren, was Jule in Dt
für ihre Dr.arbeit immer noch per Hand machen muss).
Ohne zu böse klingen zu
wollen, muss ich ganz ehrlich sagen, dass wir manchmal den Eindruck haben, dass
das Personal im Krankenhaus hier von den Wörtern „Ordnung“ und „Effizienz“ noch
nie etwas gehört haben.
So frustrierend das Ganze
hier ist, gehen wir doch immer wieder mit großer Neugier zur Arbeit. Es gibt
einfach so viele Sachen, die man in Europa nie zu Gesicht bekommen wird.
Beispielsweise gestern hatten wir wieder einen Patienten mit einer Stichwunde
unterhalb des linken Rippenbogens inklusive dem schon herausschauenden Omentum
majus (Bauchnetz - große Fettschürze, die vom Magen herunterhängt).
Damit verabschieden wir
uns in unsere nächste Schicht.
Viele Grüße,
Aline und Jule.
PS: Vor ein paar Wochen
besuchten wir das Museum des Groote
Schuur Krankenhauses, welches anlässlich der weltweit ersten
Herztransplantation, durchgeführt in den 1960ern in Kapstadt, eine Ausstellung
über das Leben und Arbeiten von Chris Barnard präsentiert. Hier konnten wir
original Krankenhaus-Inventar aus den 1960ern bestaunen. Und sieh da: es ist
dasselbe, wie es heute noch im Tygerberg Hospital verwendet wird.
LOL. Back to the roots!, kann man da nur sagen.
AntwortenLöschenBis ganz bald,
Beachside