Verkehr:
- Kennzeichen können
aussehen wie unsers „CA 208-824“ oder aber auch wie das eines Porsches „PURE
JOY“ (pure Freude).
- Ampeln springen beim
Umschalten von rot nach grün direkt von rot nach grün und lassen das Gelb aus.
-
Vorfahrt-beachten-Schilder gibt es so gut wie nicht, stattdessen findet man an
jeder Ecke Stop-Schilder :( .
- Die Kombi Kapstädter
und Autobahn geht gar nicht. Entweder wird gerast wie sonst was oder man
schleicht aus absolut nicht vorhandenen Gründen über die Autobahn mit 80 km/h.
Gefühlt fährt hier niemand 120 km/h (max. erlaubte Geschwindigkeit auf
Autobahnen).
Krankenhaus:
- Will man irgendetwas am
Patienten machen sei es eine Blutabnahme, Lumbalpunktion oder ein EKG, sollte
man mindestens 30 min. Suche nach sämtlichen Dingen, die man dafür benötigt,
einplanen. Ich (Jule) in der Notaufnahme habe noch relatives Glück mit dem
Vorhandensein von Materialien, aber Aline hat es auf der Trauma-Station härter
getroffen. Dort gab es tatsächlich für eine Station mit 80 und teilweise mehr
Patienten nur eine Box mit Handschuhen.
- Letztens konnten in der
Notaufnahme keine EKGs mehr geschrieben werden, weil keine EKG-Elektroden
vorhanden waren.
- Wir haben noch nie
davon gehört, dass hier ein Patient ein MRT bekommen hat. Selbst die Patienten
mit Verdacht auf Schlaganfall bekommen nur ein CT (von einer Lyse-Therapie mal
ganz zu schweigen).
- Am Wochenende sitzen
manche Patienten mehr als 24 Stunden in der Trauma-Notaufnahme bis sie
behandelt werden. So auch neulich ein Patient mit einem Messer im Kopf. Ja ihr
habt richtig gelesen!! Die Messerklinge trat etwa in der Schläfe ein, verlief unter der gleichseitigen Augenhöhle
bis unter die gegenseitige Augenhöhle. Der Patient hatte keine auffälligen
Pathologien.
- Patienten, die durch
„Community Assault“ schrecklich zugerichtet werden, kommen so gut wie jeden Tag
in die Notaufnahme. „Community Assault“ ist die Selbstjustiz des Townships.
Begeht jemand im Township eine Straftat, wie z.B. das Ausrauben eines Ladens, kann
es schon mal sein, dass er von seinem eigenen Bruder so zusammen geschlagen
wird, dass sämtliche Gliedmaßen gebrochen sind. Das Ausmaß der Selbstjustiz
ist abhängig von der begangenen Straftat. D.h. für Falschparken wird eine
Zigarette auf der Haut ausgedrückt, für Vergewaltigung oder Mord wird der Täter
entweder mit Machete oder Geißel bearbeitet bis er entweder Tod ist oder
irgendjemand den Krankenwagen ruft. Wir brauchten neulich allein 3 Stunden um
schätzungsweise 4 von 6 Lazerationen (= Zerreißung der Haut) am Kopf an einem solchen Patienten
zu nähen.
- Leitlinien??? So etwas
wird hier nicht angewendet. Die hospitale Infrastruktur ist einfach zu schlecht
um so etwas anwenden zu können. Der Patient mit den multiplen Lazerationen am
Kopf hätte in Dt. sofort ein Kopf-CT bekommen um eine Schädelfraktur
auszuschließen. Hier erhielten wir die Anweisung den Kopf auf eine Fraktur
während des Nähens zu untersuchen. Man nehme dazu seinen behandschuhten Finger,
führt ihn in die Wunde ein, fährt mit dem Finger über die Schädelkalotte und
fühlt, ob eine Fraktur vorhanden ist. Glücklicherweise kann man das auch mit
einer Pinzette machen. Bei der Fingervariante besteht immer die Gefahr, dass
man sich an den Frakturenden schneidet und sich über das in der Wunde vorhandene
Blut mit HIV infiziert.
- Wunden der Kopfschwarte
werden hier auch schon mal mit monstermäßigen Bauchnadeln genäht.
- Ein um sich schlagender
Patient wurde erst nachdem endlich mal die zuständige Ärztin merkte, dass man
keinen um sich schlagenden Patienten nähen kann, mit Dormicum (Beruhigungsmittel) beruhigt.
Nach der 3. Ampulle Dormicum war aber Schluss damit. Das Dormicum war aus
gegangen und die Notaufnahme besaß nichts anderes mehr.
- Intubiert wird
zumindest in der Trauma-Notaufnahme nie. Auch nicht bei zeitweilig apnoeischen
Patienten, die nur noch eine Sauerstoff-Sättigung von 70 % haben.
- In südafrikanischen Krankenhäusern braucht man keine spezielle Maske um eine Ansteckung mit multiresistenter Tuberkulose zu verhindern - eine normale chirurgische Maske reicht vollkommen aus, wie Jule versichert wurde.
Viele Grüße,
Aline
und Jule.
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