Montag, 19. August 2013

Viele, viele Impressionen (Teil I)

Wir haben mal ein paar unserer Impressionen in Sachen Verkehr und Krankenhaus zusammen gestellt:

Verkehr:
- Kennzeichen können aussehen wie unsers „CA 208-824“ oder aber auch wie das eines Porsches „PURE JOY“ (pure Freude).
- Ampeln springen beim Umschalten von rot nach grün direkt von rot nach grün und lassen das Gelb aus.
- Vorfahrt-beachten-Schilder gibt es so gut wie nicht, stattdessen findet man an jeder Ecke Stop-Schilder :( .
- Die Kombi Kapstädter und Autobahn geht gar nicht. Entweder wird gerast wie sonst was oder man schleicht aus absolut nicht vorhandenen Gründen über die Autobahn mit 80 km/h. Gefühlt fährt hier niemand 120 km/h (max. erlaubte Geschwindigkeit auf Autobahnen).


Krankenhaus:
- Will man irgendetwas am Patienten machen sei es eine Blutabnahme, Lumbalpunktion oder ein EKG, sollte man mindestens 30 min. Suche nach sämtlichen Dingen, die man dafür benötigt, einplanen. Ich (Jule) in der Notaufnahme habe noch relatives Glück mit dem Vorhandensein von Materialien, aber Aline hat es auf der Trauma-Station härter getroffen. Dort gab es tatsächlich für eine Station mit 80 und teilweise mehr Patienten nur eine Box mit Handschuhen.
- Letztens konnten in der Notaufnahme keine EKGs mehr geschrieben werden, weil keine EKG-Elektroden vorhanden waren.
- Wir haben noch nie davon gehört, dass hier ein Patient ein MRT bekommen hat. Selbst die Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall bekommen nur ein CT (von einer Lyse-Therapie mal ganz zu schweigen).
- Am Wochenende sitzen manche Patienten mehr als 24 Stunden in der Trauma-Notaufnahme bis sie behandelt werden. So auch neulich ein Patient mit einem Messer im Kopf. Ja ihr habt richtig gelesen!! Die Messerklinge trat etwa in der Schläfe ein,  verlief unter der gleichseitigen Augenhöhle bis unter die gegenseitige Augenhöhle. Der Patient hatte keine auffälligen Pathologien.
- Patienten, die durch „Community Assault“ schrecklich zugerichtet werden, kommen so gut wie jeden Tag in die Notaufnahme. „Community Assault“ ist die Selbstjustiz des Townships. Begeht jemand im Township eine Straftat, wie z.B. das Ausrauben eines Ladens, kann es schon mal sein, dass er von seinem eigenen Bruder so zusammen geschlagen wird, dass sämtliche Gliedmaßen gebrochen sind. Das Ausmaß der Selbstjustiz ist abhängig von der begangenen Straftat. D.h. für Falschparken wird eine Zigarette auf der Haut ausgedrückt, für Vergewaltigung oder Mord wird der Täter entweder mit Machete oder Geißel bearbeitet bis er entweder Tod ist oder irgendjemand den Krankenwagen ruft. Wir brauchten neulich allein 3 Stunden um schätzungsweise 4 von 6 Lazerationen (= Zerreißung der Haut) am Kopf an einem solchen Patienten zu nähen.
- Leitlinien??? So etwas wird hier nicht angewendet. Die hospitale Infrastruktur ist einfach zu schlecht um so etwas anwenden zu können. Der Patient mit den multiplen Lazerationen am Kopf hätte in Dt. sofort ein Kopf-CT bekommen um eine Schädelfraktur auszuschließen. Hier erhielten wir die Anweisung den Kopf auf eine Fraktur während des Nähens zu untersuchen. Man nehme dazu seinen behandschuhten Finger, führt ihn in die Wunde ein, fährt mit dem Finger über die Schädelkalotte und fühlt, ob eine Fraktur vorhanden ist. Glücklicherweise kann man das auch mit einer Pinzette machen. Bei der Fingervariante besteht immer die Gefahr, dass man sich an den Frakturenden schneidet und sich über das in der Wunde vorhandene Blut mit HIV infiziert.
- Wunden der Kopfschwarte werden hier auch schon mal mit monstermäßigen Bauchnadeln genäht.
- Ein um sich schlagender Patient wurde erst nachdem endlich mal die zuständige Ärztin merkte, dass man keinen um sich schlagenden Patienten nähen kann, mit Dormicum (Beruhigungsmittel) beruhigt. Nach der 3. Ampulle Dormicum war aber Schluss damit. Das Dormicum war aus gegangen und die Notaufnahme besaß nichts anderes mehr.
- Intubiert wird zumindest in der Trauma-Notaufnahme nie. Auch nicht bei zeitweilig apnoeischen Patienten, die nur noch eine Sauerstoff-Sättigung von 70 % haben. 
- In südafrikanischen Krankenhäusern braucht man keine spezielle Maske um eine Ansteckung mit multiresistenter Tuberkulose zu verhindern - eine normale chirurgische Maske reicht vollkommen aus, wie Jule versichert wurde. 

Viele Grüße,
Aline und Jule.

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