Samstag, 8. November 2014

OP - mal anders

Am Dienstag war es soweit. Ich hatte endlich die Schulung in chirurgischem Händewaschen - nicht, dass ich das nicht schon kann, aber hier wollte man mir das unbedingt noch einmal neu beibringen. Danach hatte ich auch endlich die Berechtigung den OP betreten zu dürfen.
Also schaute ich ganz freudig im PC nach, welche OPs am Mittwoch anstehen. Nichts! Keine einzige OP! Naja also musste ich bis Donnerstag warten. Dachte ich! Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass am Nachmittag ein Gastroschisis-Baby (auf natürlichem Wege! - ja das geht auch) geboren wurde. Gastroschisis ist eine eigentlich seltene Erkrankung, bei der es einen Defekt der Bauchwand gibt, sodass ein Teil des Darms nicht mehr im Kind sondern außerhalb des Kindes liegt. Meistens ist dieser Defekt rechts vom Bauchnabel lokalisiert.
Da wir hier eine riesige Geburtsklinik mit 2 etagiger neonatalen Intensivstation haben, sehe ich das hier aber öfter.
Die Neugeborenen werden nach der Geburt mit den Füßen und dem Bauch und natürlich dem heraushängenden Gedärm sofort in einen sterilen Sack gesteckt. Da sie aber bis zur OP nicht in diesem Sack stecken bleiben können, weil sie ja auch irgendwie Stuhl und Urin absetzen müssen, werden die Kinder zumindest hier, schnell auf die neonatale ITS transportiert und dann wird ein sog. Silo (http://www.columbusfetalmedicine.org/images/gastroschisis-3.png) angebracht. Dabei durfte ich dann auf der ITS zuschauen.
Dieses Kind hatte einen besonders großen Teil des Magen-Darm-Traktes, der heraushing. Erst vermutete man, dass es der Magen ist, aber bei retrograder Spülung sah man, dass es her eine Zyste ist und in der Wand sich ein Mikrodarm versteckt.
In den nächsten Tagen wird immer mehr Gedärm aus dem Silo in den Bauch gepresst, sodass sich die Bauchwand dehnt und man dann den Bauch verschließen kann.

Am Donnerstag gab es dann endlich wieder OPs im richtigen OP. Es stand der Verschluss eines anderen Gastroschisis-Babys an. Sehr interessant. Eigentlich wird nur der restlich Darm, der noch heraushängt auf Adhäsionen untersucht, in den Bauch verlagert, die Muskelschicht mit Fascie und dann die Haut vernäht. Kein riesen Ding. Kann nur nicht sofort nach der Geburt durchgeführt werden, weil nicht genügend Platz im Bauch ist und dies dann die Atmung beeinflussen würde.

Am Freitagabend bekamen wir dann noch einen Säugling mit Pylorusstenose (verengten Magenausgangsmuskel), der dann auch gleich operiert wurde. Auch nur eine sehr kleine OP, aber der belgische Oberarzt hat mich den Pylorusmuskel fühlen lassen. Das war cool!!

Ansonsten konnte ich auch endlich mal mit meinem vielbeschäftigen Kursleiter reden. Ich muss nicht am Wochenende arbeiten!!! Er meinte, ich werde das noch mein Leben lang machen und ich solle die Zeit hier in Providence genießen. Dafür hat mir aber die Senior Assistenzärztin aufgegeben eine Anamnese mit Untersuchung zu machen. Das war kein Problem. Jedoch es schriftlich festzuhalten im richtigen Format ist hier die Herausforderung.

Bye bye,
Julia.

PS: Danke für den Klick aus Porto. :-)


2 Kommentare:

  1. wir denken beide jeden tag an dich und freuen uns, dass es jetzt doch noch alles gut wird. viel spass weiterhin.
    A. und S.
    PS: hier wissen die auch nichts wie man mit heizungen umgeht (*bibber*)

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