Meine Woche im OP startete mit so einigen kleineren OPs. Darunter der Entfernung eines Pilomatrixoms. Für alle, die jetzt erst einmal ihre Bücher oder das Internet wälzen müssten: Dies ist ein gutartiges, kalzifizierendes Epitheliom - ein kalkeinlagernder Hauttumor. Anfühlen tut es sich auch steinhart, sodass ich vom Fühlen fast gesagt hätte, es wäre etwas Bösartiges. Naja die OP dazu war nicht sonderlich spannend. Aber jetzt weiß ich zumindest was das ist.
| Hasbro Kinderkrankenhaus - meine Wirkungsstätte zurzeit |
Gleich danach folgt auf meiner Coolheits-Liste eine Laserbehandlung der Plazentagefäße in Zwillingen in einem Feto-fetalen Transfusionssyndrom, wie ich das schon letzte Woche sehen konnte. Dieses Mal mit dem Unterschied, dass ich mich mit einwaschen durfte und tatsächlich ein paar Haken halten und Fäden abschneiden durfte. Diese eigentlich für deutsche Studenten normalen Dinge, lösen hier bei mir schon Endorphinstürme aus.
| Rhode Island Hospital - gleich neben Hasbro |
Zum Aufwärmen danach wechselte ich aber gleich in die nächste OP. Ein Neugeborenes wurde an seiner Omphalocele operiert. Bei Babys wird die Raumtemperatur glücklicherweise immer bei 30°C gehalten, was einem manchmal allerdings auch ins Schwitzen bringen kann.
Eine Omphalocele ist ein Nabelbruch, wie wir ihn alle in unserer vorgeburtlichen Entwicklung hatten, der sich nur nicht zurückbildet. Diese Omphalocele hielt für den Operateur allerdings einen speziellen Leckerbissen bereit. Der Ductus omphalentericus/Dottergang hatte sich nicht wie normalerweise zurück gebildet und zudem lag noch eine Darmatresie - ein Darmverschluss aufgrund einer dünnen Membran - vor. Kein Wunder, dass dieses Kind nichts essen wollte in seinen ersten Lebenstagen. Fleißig wurden im OP dann noch Fotos geschossen.
Eben schrieb ich mit einer Freundin aus Rostock, die gerade ins PJ gestartet ist. Sie meinte, sie fühlte sich inzwischen als Medizinerin richtig erwachsen, weil man sie wie eine Kollegin auf Station behandelt. Genau dieses Gefühl vermisse ich hier leider sehr. Ich fühle mich eher wie die kleine Studentin in ihrer ersten Famulatur, die keine Ahnung von nichts hat, nichts machen darf und der komplett das klinische Denken fehlt.
Aber ich habe nur noch 3 Tage in der Kinderchirurgie. Nächste Woche ist Thanksgiving, sodass ich ab Donnerstag frei habe. Danach geht es für mich in die Trauma, wo es hoffentlich ein wenig besser wird.
Letztes Wochenende bin ich nach Pawtucket, der Nachbarstadt von Providence gefahren. Dort schaute ich mir die Slater Cotton Mill an. Dies war die erste mit Wasserenergie-betriebenen Baumwollspinnerei in Nordamerika. Gegründet wurde sie von Slater, der eigentlich Brite war und die kompletten Maschinenbaupläne von dort mitgehen lies. Hier baute er die Maschinen nach und wurde zu einem der erfolgreichsten Leute in der Gegend. Danach machte ich noch einen Spaziergang durch die Stadt.
| Slater Mill |
| Seekonk River - betrieb früher das Wasserrad |
| Öffentliche Bibliothek in Pawtucket |
Julia.
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