Montag, 30. September 2013

Lichter über Johannesburg

Auf ging's zu unserer letzten Zielstadt Johannesburg mit dem wunderbar bequemen und im Vergleich zu anderen südafrikanischen Transportmitteln geradezu luxuriösen "Gautrain". Dies ist ein Zug mit einer Direktverbindung zwischen Joburg, Pretoria und dem Internationalen Flughafen OR Tambo in der südafrikanischen Provinz Gauteng. Für einen Südafrikaner mit Durchschnittsverdienst ist dieses Transportmittel geradezu unbezahlbar, während an Bahnpreise gewöhnte Deutsche nur milde lächeln können. Leider verließ uns auf dem Weg nach Johannesburg Steffi Richtung Flughafen, da für sie an dieser Stelle der Urlaub zu Ende war und so ging es nun im Trio weiter.
Glücklicherweise war unser Hostelzimmer sehr schön geräumig, es gab tatsächlich ein eigenes Bad (man merkt, dies war für uns Luxus) und eine Küche mit überraschend modernen Geräten. Wir vermuten ja immer noch, dass der Hostelbesitzer eigentlich ein verkappter Schweizer war, der sich nur als Südafrikaner tarnte.
Als erstes wollten wir natürlich etwas von der Stadt sehen und so machten wir uns zu unserem sehr geliebten und ausgiebig genutzten Doppeldeckerbus auf. Dieser führte uns zu den berühmtesten Gebäuden der Stadt, wie zum Beispiel das Rathaus, Mandelas und Tambos ehemalige Anwaltskanzlei  und natürlich das Hauptgebäude des African National Congress.

Es wird schnell klar, dass Johannesburg ein Mixtiegel der Kulturen ist, mit Menschen aus aller Herren Länder, die diese Stadt so bunt und einzigartig machen. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in der Namensgebung von Johannesburg: So nennen die Einwohner, je nachdem, welchem Kulturkreis sie angehören, die Stadt Joburg, eGoli oder Jozi.
Da wir sehr gerne eine Township Tour machen wollten, bot sich eine Fahrt nach Soweto (Abkürzung für South Western Townships) mit einem einheimischen Tourguide, der uns viel über die Geschichte des Slums näherbrachte, geradezu an. Bei Soweto handelt es sich um einen 1963 gegründeten Zusammenschluss vieler verschiedener Townships im Südwesten von Joburg. Seit 2002 gehört Soweto zu Johannesburg, war von 1983 bis 2002 jedoch eine eigenständige Stadt. Soweto wirkte jedoch auf uns immer noch wie eine kleine Stadt für sich, mit seinem Vorzeigeviertel Orlando und den heruntergekommenen Slumabschnitten. Mit geschultem Medizinerblick sahen Jule, Kyra und Aline sofort die Narben am Kopf unseres Fremdenführers und fragten sich sofort: Wurde dieser Mensch auch einmal Opfer eines Community-assaults?
In Soweto sahen wir Nelson Mandelas und Desmond Tutus Haus und Aline war es noch möglich an einem der kleinen Verkaufsstände dem netten Verkäufer ein paar Mitbringsel für einen niedrigen Preis zu entlocken. Unser Tourguide hatte scheinbar ein kleines Faible für Fotografie, denn bei jeder Sehenswürdigkeit an der wir vorbeifuhren, schoss er mindestens 3 Gruppenfotos von allen mitfahrenden Gästen. Mit besonderem Stolz zeigte er uns das sogenannte Calabash-Stadium.
Es ist das größte Fußballstadion Afrikas, in dem bereits 1990 die erste Massenkundgebung Mandelas nach seiner Freilassung stattfand. Außerdem wurde hier das spannende Finale der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2010 ausgetragen. Das Stadium verdankt seinen eigentümlichen Namen seiner Ähnlichkeit zu einem traditionellen afrikanischen Trinkgefäß, der Kalebasse.


Weiter ging's zum weltberühmten Apartheidmuseum, welches eine scheinbar unendliche Fülle an Informationsmaterial über diese bewegte Zeit in der Geschichte des Landes bereithielt: So viel Information, dass Jule, Kyra und Aline nach geschlagenen 5 Stunden der Kopf ziemlich schwirrte.

Da hieß es nun erst einmal: Den Kopf freibekommen - am besten in luftiger Höhe - und somit: Auf zum Carlton Center! Dieses Gebäude ist 223 Meter hoch und der höchste Wolkenkratzer Afrikas. Natürlich fuhren wir drei bis zur obersten Etage um den herrlichen Blick aus 50 Etagen Höhe zu genießen. Die große 360 Grad Aussichtsplattform wir auch The Top of Africa (= Das Dach Afrikas) genannt.
Auf unserer Tour mit dem roten Doppeldeckerbus kamen wir schließlich auch zur Gold Reef City, ein Freizeitpark, der vor 30 Jahren auf einer der tiefsten und größten Goldminen der Welt, der Crown Gold Mine, errichtet wurde. Hier gibt es einen Themenpark, der sich mit der Goldgräberzeit am Witwatersrand beschäftigt. Da an diesem Tag gerade der "Heritage Day" gefeiert wurde, an dem sich die Südafrikaner an ihre Geschichte und Kultur erinnern, bekamen wir noch tolle traditionelle Musik zu hören.
Johannesburg hielt aber noch einiges mehr für uns bereit. Natürlich mussten wir in die berühmte World of Beer (=Welt des Biers), wo wir die Geschichte und Herstellung des Biers bestaunen durften. Und das Wunder geschah: Jule und Aline - normalerweise Nichtbiertrinker- tranken ein gesamtes Bier aus (gut, zugegebenermaßen war es "flavoured", also aromatisiert).

Unser nächstes Highlight war eine geführte Tour über den Constitution Hill (=Verfassungsgericht) und wir waren beeindruckt von seinem besonderen Design. Im Außenbereich steht eine Tür, in der in allen 11 offiziellen südafrikanischen Sprachen die Grundrechte der Menschen eingeschnitzt wurden. Im Inneren war die Decke in Baumwipfeloptik gestaltet, was den Schutz der Menschen unter den Ausläufern des Verfassungsgericht symbolisieren sollte.
Unseren letzten Abend in Südafrika verbrachten wir im "Sophiatown", ein Restaurant mit Township-Flair. Hier genossen wir noch einmal traditionelles afrikanisches Essen, unseren geliebten Malva-Pudding und einen besonders schmackhaften Cocktail namens Amarula don Pedro, von dem wir uns bei unserem etwas verrückten Kellner sofort das Rezept sicherten. Dieser besagte Kellner war es auch, der uns zu unserem Erstaunen einfach mal mit zwei Südafrikanern zusammensetzte, damit wir uns mit ein paar Einheimischen unterhalten konnten. So endete unser letzter Abend sehr stilecht rundherum südafrikanisch. Der nächste Tag brachte uns einen wehmütigen Abschied von dem Land, das Jule und Aline in den letzten 9 Wochen zur neuen Heimat geworden war und das wir von Herzen liebgewonnen hatten. Am Tambo International Airport dachten wir noch einmal an die wunderschöne Zeit, die wir hier zusammen verbracht hatten, an all die Abenteuer, die großen und kleinen Herausforderungen, die Pracht und die Schattenseiten dieses besonderen Landes und an all die Menschen, die unseren Weg gekreuzt hatten und schworen uns, eines Tages wiederzukommen. Zu den Klängen von "Leaving on a Jetplane" hob unser Flugzeit ab und wir hatten noch einmal einen fantastischen Blick auf Johannesburgs Lichtermeer bei Nacht.


So endete das Abenteuer unseres Lebens mit Abschiedsschmerz und Freude darüber, dass wir Südafrika kennenlernen durften und nun eine Erinnerung für das ganze Leben in unseren Herzen tragen.

Tschüss und Auf Wiedersehen,

Jule und Aline

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