Sonntag, 29. September 2013

Allein unter Schwarzen

Nachdem wir nun 4 Tage lang Tiere, Tiere und nochmal Tiere gesehen hatten, musste ein wenig Abwechslung her. Da kam uns Sightseeing in Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas, und Shopping in dem größten Shopping-Center Afrikas gerade recht. Hier besichtigten wir auf eigene Faust die Stadt -  einzig und allein ausgestattet mit mehreren Reiseführern und einem Taxifahrer namens Justice.
Unsere erste Station waren die Union Buildings. Dies ist der Sitz der südafrikanischen Regierung inklusive des Präsidenten. Diese Gebäude bilden einen Halbkreis mit jeweils einem Hausflügel auf jeder Seite. Diese Symbolik soll die Vereinigung der vormals getrennten Bevölkerungsgruppen darstellen. In Pretoria als auch Johannesburg strotzen die öffentlichen Gebäude und Sehenswürdigkeiten nur so vor Symboliken, hauptsächlich natürlich auf die jüngste Geschichte der Apartheid bezogen. 

Die Union Buildings
Weiter ging es zu dem Voortrekker Monument etwas außerhalb der Stadt. Schon von weitem erkennt das geschulte deutsche Auge, dass dieses Denkmal zu Ehren der Voortrekker, die die Kapkolonie zwischen 1836 und 1854 verließen um der britischen Herrschaft zu entfliehen, sehr dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal ähnelt. Diese Ähnlichkeit besteht nicht zufällig. Der Architekt orientierte sich während des Baus an dem Leipziger Vorbild. 

Das Voortrekker Monument
Hier lernten wir so einiges über die Geschichte der Voortrekker (afrikaans für „Vorausziehende“) und des „Great Trek“ (zu deutsch: der Große Treck). So zum Beispiel, dass Pretoria nicht zufällig zu seinem Namen kam, sondern nach seinem Gründer und einem der berühmtesten Voortrekker benannt ist - Andries Pretorius. Von ihm gibt es auch eine Statue an einer der vier Außenecken des Monuments. Zwei weitere Ecken werden von Hendrik Potgieter und Piet Retief, zwei Mitstreiter Pretorius‘, geschmückt.
Wenn man dann die Heldenhalle, wie das Innere des Monuments genannt wird, betritt, wird man von den 27 Marmorplatten, auf denen die Geschichte des 18 Jahre lang währenden Trecks dargestellt ist, in den Bann gezogen - eine Welt voll Aufbruchsstimmung und Optimismus, aber auch Krieg und Gewalt. 

Eine der 27 Marmorplatten
In der Mitte der Heldenhalle ist eine kreisrunde Öffnung, durch die man auf einen Kenotaph (leerer Sarkophag) mit der Aufschrift „Ons vir jou Suid-Afrika“ (afrikaans für „Wir für dich, Südafrika“) schauen kann.
Das Monument wird umgeben von 64 Ochsenkarren in Granit gehämmert. Sie stellen das Wagenlager dar, das bei der Battel of Blood River (Schlacht bei Blood River - die bekannteste Schlacht der Voortrekker) gebaut wurde.
Um einen Blick über Pretoria zu erlangen, kämpften wir uns die vielen, vielen Treppen des Monuments hoch und wurden dann aber auch belohnt. :-)
Nachdem uns das Taxi wieder aufgesammelt hat, ging es weiter in die Innenstadt Pretorias zum Paul Kruger Museum. Dort konnten wir uns davon überzeugen, dass das Leben als Präsident der Südafrikanischen Republik zur vorletzten Jahrhundertwende gar nicht so schlecht war.
Weiter ging es mit dem Church Square, dem historischen Zentrum Pretorias. Dieser Platz wird in seiner Mitte geschmückt durch Oom Paul, wie Kruger auch auf Afrikaans genannt wird (Onkel Paul). Hier waren wir tatsächlich die einzigen Weißen weit und breit…
Mit einem kleinen Spaziergang zum Melrose House ging unsere Stadtbesichtigung langsam zu Ende. Dieses im viktorianischen Stil gestaltete Herrenhaus wurde am Ende des 19. Jahrhunderts von einem Transportunternehmer erbaut. Historisch bedeutend wurde es 1902 als in diesem Haus der Friedensvertrag zwischen Buren und Briten unterzeichnet wurde. Zudem entzückt es mit alter englischer Einrichtung und zu Jules absoluter Entzückung mit einem Tennisplatz im Garten (absoluter Neid). 

Das Melrose House
Von hier aus ging es mit dem Gautrain wieder zurück zu unserem Hostel. Dies ist das öffentliche Verkehrsmittel in und um Pretoria und Johannesburg für die etwas gehobene Klasse der Bevölkerung inkl. europäischer Preise. Es wurde zur Fußballweltmeisterschaft 2010 gebaut. Der Gautrain bezückt auch heute noch mit nagelneuen Zügen, die sauberer und leiser sind als in Deutschland. Dies ist wohl dem massig vorhandenen Sicherheitspersonal und dem Ess- und Trinkverbot auf dem Bahnsteigen zu verdanken. Der Gautrain ist auf jeden Fall eine sichere Alternative zum Taxi in Pretoria und Johannesburg.
Am nächsten Tag ging es dann in die Menlyn Park Mall, dem angeblich größten Einkaufszentrum Afrikas mit 118 253 m². Hier konnten wir unserem Shoppingdrang mehr als sechs Stunden freien Lauf lassen, wunderschöne Kleider anprobieren, ein neues Backpack für Jule und die letzten Mitbringsel kaufen.
Am nächsten Tag war dann für Steffi der Tag des Abschieds gekommen. Die Arbeit in Deutschland rief. Der Rest von uns machte sich auf nach Johannesburg.
Dazu nächstes Mal mehr.

Liebe Grüße,
Aline und Jule.

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