Wenn man in der kolorektalen Chirurgie arbeitet, dann erwartet man ja Kacke. Zumindest ein wenig. Aber wenn man sie dann in großen Massen bekommt, dann ist es doch irgendwie immer noch ekelerregend.
WARNUNG: Dieser Artikel ist nichts für seichte Gemüter mit empfindlichen Mägen!
Es war Mittwoch. Es standen 5 kleinere OPs an. Zunächst die Entfernung von Hämorrhiden. Dabei durfte ich sogar die Analhaut wieder zusammen nähen. Lief alles echt gut. Es schien ein toller Tag im OP zu werden.
Aber dann kam Patient Nr. 2! Wir planten einen Polypen aus seinem tiefen Rektum zu entfernen. Dieser Polyp war nicht all zu weit vom Anus entfernt. Deshalb konnten wir es transanal machen. Das sollte nicht allzu schwer werden, dachten wir uns. Wäre da nicht die Sache mit der Darmspülung gewesen.
Vor so einem Eingriff sollte man idealerweise seinen Darm reinigen. Schließlich ist gerade das Rektum, der Ort, an dem der Stuhl gespeichert wird bis zur nächsten Entleerung. Leider hatte dieser Patient es nicht für nötig gehalten. Das heißt schon als wir den Patienten richtig lagern wollten, kam uns Stuhl entgegen.
Aber als wir richtig anfangen wollten... Wir kämpften 15 Minuten lang mit diarrhöartigen Stuhlmassen, die sich über das frisch steril eingedeckte OP-Feld ergossen. Da half auch das Saugen mit dem Sauger nichts mehr bzw. der Sauger war eindeutig zu klein.
Und der Geruch erst mal. Er kam in Wellen genauso wie eine schwere Übelkeit, die mich plötzlich überfiel. Da halfen keine Gesichtsmasken. Genau in diesen Minuten hätte ich mir unser Notfallparfüm aus Südafrika zurück gewünscht. Ich war echt kurz davor zu sagen, dass ich den OP verlassen muss um meinen Magen zu erleichtern. Das ist mir noch nie in einem OP passiert.
Glücklicherweise bin ich geblieben. Nachdem die Scheiße besiegt war, konnten wir uns dann auch endlich an die Arbeit machen. Die Polypenentfernung ging eindeutig wesentlich schneller als das Vorspiel. Danach bekam ich dann auch ein besonders herzliches Dankeschön von meinem Oberarzt für die Mithilfe.
Aber der Tag der Ekelhaftigkeiten war noch nicht vorrüber. Schließlich sollte es zu Mittag noch Blumenkohl geben. Welche Assoziation hat jeder Mediziner mit Blumenkohl?? Genau richtig! Condylomata acuminata!
Condylome sind Genitalwarzen. Sie sind die Folge einer Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) 6 und 11. HPV verursacht ein Wachstum der Haut. Das heißt man findet in diesen Warzen (nicht vergleichbar mit den Warzen am Fuß) einen Bindegewebsstock mit einer riesigen Kappe aus Haut - wenn ich das jetzt mal so sehr vereinfacht ausdrücken darf. Sie sehen aus wie blumenkohlartige Gewächse, die von Millimeter- bis Zentimetergröße alles erreichen können. Wer verstöhrende Bilder dazu sehen will, kann das gern mal googeln.
Auf jeden Fall mein Patient hatte 8 cm großen Genitalwarzengewächse auf beiden Seiten seines Anus. Um diese Warzen abzutragen brauchten wir sogar ein spezielles Entlüftungssystem und spezielle Gesichtsmasken, sodass wir uns nicht durch die in die Luft gelangenden Viren anstecken. Am Ende liesen mich die Ärtze mit dem Elektromesser auch zwei Teile abtrennen :D.
So jetzt ist aber Schluss mit den Ekelhaftigkeiten. Eine unserer OP-Patienten wurde vor ihrerer OP von der OP-Schwester nach Allergien gefragt. Sie antwortete: "Ich habe eine Allergie gegen Kokain. Da wird mir immer so schwindelig!" Ich konnte es nicht fassen. Als sie in die fassungslosen Gesichter um sich herum schaute, korrigierte sie sich: "Ich meine doch Codein." Alles klar! Das machte mehr Sinn. Codein war ein Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiate.
Ciao!
Julia.
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