Sonntag, 18. Januar 2015

Ich will endlich auch!!

Ich hätte es wirklich nicht gedacht! Dass so viele Menschen so blöd sein können. Aber es ist wieder passiert!
Am Mittwoch fragte mich mein Oberarzt plötzlich, welche Handschuhgröße ich hätte. Ich so "6.5" (relativ klein im Vergleich zu allen anderen). Er lacht in sich hinein und bedachte mich mit einem merkwürdigen Blick. Wir waren gerade in seiner Sprechstunde. Weiter ging es zum nächsten Patienten. Ich wusste nicht, was ich mit dieser Frage und diesem Blick anstellen sollte.
Nach dem nächsten Patienten hatte er wieder dieses ganz bestimmte Lachen auf den Lippen. "6.5 also. Du weißt wovon ich spreche, oder?". Ich hatte immer noch keinen blassen Schimmer! "Es gibt mal wieder einen rektalen Fremdkörper zu entfernen. Da passen deine kleinen Finger eindeutig besser als meine 7.5 (bezogen auf die Handschuhgröße)". Endlich ging mir ein Licht auf. Ich hatte natürlich Lust auch mal einen Fremdkörper zu entfernen. Schließlich hatte ich mich gründlich nach dem Fremdkörper letzter Woche informiert.
Aber es wurde auch diese Woche wieder nichts. Mein Oberarzt hatte leider doch nicht genügend Zeit den Fremdkörper in seinen Zeitplan hinein zu schieben. Deswegen kamen wieder die Traumatologen zum Zuge. Sollten sie zumindest. Aber die hatten genügend mit ihrer Notaufnahme zu tun, sodass der Fremdkörper bis 20 Uhr abends immer noch nicht auf dem Tisch lag. Langsam wurde es spät für mich. Schließlich musste ich am nächsten Morgen um 5 wieder auf der Matte stehen. Also entschied ich mich enttäuscht nach Hause zu gehen.
Am nächsten Morgen erfuhr ich dann, dass der Fremdkörper immer noch nicht entfernt wurde. Es war einfach zu viel in der Notaufnahme los. Glück für mich, dachte ich.
Am Vormittag war es dann endlich so weit. Nur leider waren nun unsere Assistenzärzte da, die ihre Finger ins Spiel bringen wollten. Natürlich nach der strikten, amerikanischen Hierarchie hatte der Assi Vorrang vor mir. Er hatte schließlich auch noch nie einen solchen Fremdkörper entfernt.
Mein Oberarzt entschultdigte sich später pflichtschuldig bei mir, dass er mir Hoffnung gemacht hatte.

Wenigstens lies er mich dann in der nächsten OP einen Pouch zusammen "stapeln" (englisch Aussprache - nicht das deutsche "stapeln"). Einen Pouch aus Dünndarm fertigt man dann an, wenn man das Rektum entfernen muss. Der Pouch soll nun als Ersatz für das Rektum die Speicherfunktion übernehmen.
Ein Stapler ist ein Gerät mit dem man gleichzeitig Gewebe zusammen tackern und aufschneiden kann. Das erspart den Operierenden sehr viel Arbeit und Zeit. Denn ansonsten hätte man das alles doppelreihig mit Hand nähen müssen.

Ansonsten war die letzte Woche wahrscheinlich die anstrengendste Woche, die ich hier bis jetzt erlebt habe. Entsprechend sah ich auch ständig total müde aus. Am Mittwoch war es ganz besonders schlimm. Ich arbeitete 15 Stunden ununterbrochen. Naja gut, ein kurzes Mittagessen hatte ich schon. Von den 15 Stunden verbrachte ich 12 im OP. :) Tageslicht Fehlanzeige. Naja so macht mir wenigsten der späte Sonnenaufgang und frühe Sonnenunterganz nichts mehr aus.

Glücklicherweise ist ab morgen meine Anfangszeit wieder erst 5:40. Früh, aber angenehmer...

Bye, bye
Julia. 

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