Glücklicherweise kam ich letztes Wochenende dann noch heil im Krankenhaus an. Am nächsten Tag sollte ich nämlich meine nächste Rotation in der kolorektalen Chirurgie, von mir auch liebevoll als Darm- und Arschlochchirurgie bezeichnet, anfangen.
Es ging um 6 Uhr los - eine ganz humane Zeit, wie ich fand. Naja zumindest für Chirurgie in den USA. Ich traf meinen Fellow (ausgebildeter Chirurg, der gerade eine Spezialisierung in Kolorektal macht) und meinen Mitstudenten. Nach der Visite lernte ich dann auch meinen Kursleiter kennen. Er ist Brite, was ihn noch sympathischer machte. Sein Akzent ist einfach toll. Könnte ihm den ganzen Tag zu hören. Außerdem sagte er mir, dass die Zeit für die morgendliche Visiten um 5:30 oder 6 Uhr einfach lächerlich seien. Da stimmte ich ihm komplett zu.
Es standen gleich am Montag 3 Dickdarmresektionen in allen möglichen Facetten an. Also mit Hilfe von Schlüssellochchirurgie als auch offen. Das wurde mein erstes Mal richtige Bauch- und Darmchirurgie. War echt gut.
Die nächsten Tage gestalteten sich mit OP und Koloskopie. Am Mittwoch gab es dann aber nochmal etwas Spannendes. Ein Patient mit einem rektalen Fremdkörper. Ich war sehr gespannt, was es denn war: Glühbirne, Zucchini oder doch Spraydose?? Leider nichts von alledem. Ein Dildo.
Leider wurde uns der Fall von den Traumatologen - oh, man diese bösen Traumatologen *erhobener Zeigefinger* - geklaut, weil es ja ... ich weiß auch nicht. So richtig ein Unfall scheint es ja nicht gewesen zu sein....
Naja leider war ich dann zu der Zeit der OP bzw. des Entfernens in der Sprechstunde von meinem Oberarzt und konnte schließlich ja nicht sagen, dass ich die Entfernung eines rektalen Fremdkörpers spannender fänden würde als mir Hemorriden in allen möglichen Ausführungen anzuschauen. Damit war das für mich gelaufen.
Stattdessen erzählte mir mein Fellow von den 10 Fremdkörpern, die er schon aus dem Rektum entfernt hatte. Ein Vibrator vibrierte tatsächlich noch als er ihn entfernte. Wenn man sich mal vorstellt, wie lange man eigentlich in der Notaufnahme sitzt und wartet bis man angesehen wird und dann nochmal bis endlich jemand sich die Zeit nimmt den Fremdkörper zu entfernen.... Der Vibrator hatte scheinbar einen guten Akku :D.
Ab Donnerstag ging mein Fellow leider in Urlaub. Heißt eine andere Station übernahm die Versorgung unserer Patienten. Leider hieß das auch für mich, dass ich nun um 5 Uhr 10 anfangen durfte zu arbeiten. :(
Die letzten Tage der Woche zogen sich dann so hin, dass ich froh war als es Freitagabend war. Einige Leute aus dem Gerry House und ich wollten zu einem Icehockey-Spiel der BrownBears, dem Sportteam der Brown University, gehen. Sie spielten gegen Providence College. Es war also durch und durch ein Heimspiel. Leider verloren wir ganz knapp in der Verlängerung.
Ich freue mich schon darauf, wenn mein Fellow wieder aus dem Urlaub da ist. Dann kann ich endlich wieder eine halbe Stunde länger schlafen. Bis dahin ist es allerdings noch eine Woche hin...
Bis dann
Julia.
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