Sonntag, 31. Mai 2015

Pfingsturlaub

Für das Pfingstwochenende und die Tage danach hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen. Es ging nach Lausanne, Genf und Mailand.
Ich musste mal wieder besonders früh los, sodass ich die ersten Stunden im Zug schlafend, in einer recht unbequemen Lage verbringen musste.
Kurz vor Lausanne erwachte ich aus meinem Schlaf und hatte eine faszinierende Aussicht auf den Genfer See und die umliegenden Weinberge.
Nach 3,5 Stunden war ich an meinem Ziel Lausanne angekommen, ckeckte in die Jugendherberge eine und machte mich wieder auf den Weg.
Ich wollte noch die UN in Genf besuchen. Also auf nach Genf.
Im Zug als ich die wunderschöne Landschaft eigentlich mal beobachten wollte - wer mit mir schon mal unterwegs war, weiß das mache ich eigentlich nie, weil ich mich sonst ob ein Buch vertiefe oder schlafe - setzte sich plötzlich ein junges Mädel zu mir. Ich sah das Namensschild an ihren Revers, was mir verkündete,  dass sie zu irgendeiner Freikirche gehörte. Mir schwante Böses! Und schon ging es los! Sie redete in schnellem Französisch auf mich ein. Ich erklärte dass ich nur Englisch verstehe mit der kleinen Hoffnung, dass sie mich nicht weiter belästigen würde. Aber leider sind Schweizer sehr lingophil. Also ging es weiter auf Englisch. Sie wollte irgendetwas über meine Familie wissen. Ich wollte ihr mit kleinen Andeutungen klar machen, dass ich nicht mit ihr reden will. Sie ignorierte sie. Nach der Familie wollte sie mit mir über Gott reden! Ich musste eindeutig ein wenig direkter werden! Danach saß sie mit nur noch still gegenüber und ich versteckte mich hinter meinem Tablet. Nach einiger Zeit rutschte sie glücklicherweise wieder herüber zu ihrer Freundin - natürlich auch mit Namensschild von der Freikirche - und bald stiegen sie aus. Huh, endlich konnte ich mich der echt schönen Landschaft widmen.

In Genf angekommen ging es für mich gleich zum Palais des Nations, dem europäischen Hauptsitz der UN. Wusstet ihr, dass Genf die Dichte an UN-Mitarbeitern weltweit hat?

 
Palais des Nations

Auf dem Platz der Nationen vor dem Palais des Nations trifft man zunächst einmal auf den "Broken Chair", ein Kunstwerk der Organisation Handicap International. Es erinnerte mich zunächst einmal an diesen riesigen Möbeln, die zu Werbezwecken von Möbelhäusern benutzt werden. 
Eigentlich wurde der "Broken Chair" aber 1997 hinsichtlich der Ottawa-Konvention (Übereinkommen über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und über deren Vernichtung) errichtet. Zwar sollte diese Skulptur nur 3 Monate dort stehen, wurde aber nach dem nur 40 Nationen (!) die Ottawa-Konvention unterzeichnet hatten, dauerhaft auf dem Platz der Nationen belassen.  

Broken Chair
Das Palais des Nations wurde schon irgendwann von dem Völkerbund gebaut und nachher der UN vermacht. Inzwischen stehen auf dem Gelände noch ein paar andere offizielle UN-Gebäude.
Innen konnten wir den Saal der Menschenrechte und der Allianz der Zivilisationen besichtigen. Dieser Saal wurde von Spanien der UN geschenkt gerade zu Beginn der Wirtschaftskrise. Es führte zu einem riesen Skandal, dass dieser Saal fast 20 Millionen gekostet haben soll. Besonders interessant das Kunstwerk an der Decke des Saales. Es soll die Tagenden inspierieren in ihrer Arbeit. Also ich wüsste ja nicht ob es eine große Inspirationsquelle hinsichtlich Menschenrechte für mich wäre. 
Insgesamt war die Führung hier leider nicht so interessant wie im Hauptsitz der UN in NY. 

Saal der Menschenrechte und der Allianz der Zivilisationen

Saaldecke

Zu den UN-Gebäuden gehört außerdem noch der Wilson-Palast, der eher innerhalb der Innenstadt Genfs lokalisiert ist. Dieser Palast war eigentlich das Ur-Gebäude des Völkerbundes. Es wurde benannt nach Woodrow Wilson, dem ehemaligen US-Presidenten, der maßgeblich für die Gründung des Völkerbundes war. Nachdem der Völkerbund sich aufgelöste und die UN gegründet wurde, fiel dieser Palast der UN zu. Zwar ist er für die großen Konferenzen viel zu klein. Dennoch wird er heute immer noch für kleinere Besprechungen benutzt. 

Wilson Palast
Gleich neben dem Palais des Nations befindet sich das Internationale Kommitee des Roten Kreuzes inkl. eines sehr lohnenswertes Museum. Man wird in die Arbeit des Roten Kreuzes/Halbmondes anhand von 12 Charakteren, die den Besucher ihre Geschichte mit dem Roten Kreuz erzählen, eingeführt. Dabei muss man nicht einmal viel lesen, wie das bei anderen Museen der Fall ist - ich erinnere mich da nur an das Apartheid Museum in Johannesburg, wo man eigentlich mit 8 Stunden lesen beschäftigt ist. Ein Audioguide erzhält hier dem Besucher alles was er wissen muss.
So lernte ich beispielsweise, dass das die Organisation nicht nur das rote Kreuz und den Halbmond hatten, sondern seit 2005 auch einen roten Kristall. Auch die Geschichte hinter dem Halbmond wurde den Besucher näher gebracht. Der rote Halbmond als Symbol wurde schon im 19. Jhd. eingeführt zu Zeiten des russisch-osmanischen Krieges. Die Soldaten konnten sich nämlich nicht mit dem Kreuz identifizieren aus religiösen Gründen. Seitdem nutzen fast alle islamischen Länder den roten Halbmond anstatt des Kreuzes.
Daneben gab es auch noch den roten Löwen mit der roten Sonne, der von der iranischen Hilfsgesellschaft bis 1980 verwendet wurde.
Das Museum wurde übrigens gerade mit dem Kenneth Hudson-Preis des European Museum of the Year Award ausgezeichnet. Ausschlaggebend war dafür die Aufteilung in 3 Bereiche: die Menschenwürde verteidigen, Familienbande wieder herstellen und Risiken von Naturgefahren begrenzen. Diese 3 Dauerausstellung wurden von 3 unterschiedlichen Architekten mit komplett unterschiedlichen kulturellen Wurzeln gestaltet.
In der Ausstellung "Familienbande wieder herstellen" zum Beispiel wird einem das Archiv der Internationalen Zentralstelle für Kriegsgefangene näher gebracht.
Also auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn ihr gerade in der Gegend sein solltet!

Internationales Kommitee des Roten Kreuzes
Genf ist übrigens mit sage und schreibe 410.000 Einwohnern die 3. größte Stadt der Schweiz. 1815 wurde Genf schweizerisch, zuvor war sie französisch. Sie ist auch heute immer noch zum größten Teil von Frankreich umgeben. Bei besten Wetter soll man sogar den Mont Blanc von dort sehen können.
Eines der Wahrzeichen der Stadt ist die größte Wasserfontäne der Welt, der Jet d'Eau. Die Fontäne ist bis zu 140 m hoch. Leider konnte ich sie nicht bewundern, da es zu windig war. Bei mehr als 20 km/h Windgeschwindigkeit wird es nämlich abgestellt. So windig empfand ich es innerhalb der Stadt gar nicht. Jedoch als ich eine kleine Bootstour unternahm wurde mir mein Irrtum schnell bewusst.

Blick vom Genfer See auf die Innenstadt
Der Genfer See ist übrigens 72 km lang und damit nach dem Plattensee und vor dem Bodensee der 2. größte Binnensee Europas.

Genfer See
Ein weiteres Wahrzeichen ist irgendwie die unten abgebildete Blumenuhr. Ich musste sage und schreibe 10 Minuten davor stehen um genau in einer Sekunde dieses Bild schießen zu können ohne dass mir irgendwelche Asiaten vor der Kamera standen!


Das war für mich das erste mal französischsprachige Schweiz. Lesen geht ja noch einigermaßen. Aber sprechen war ein riesiger Kampf. Verstehen habe ich gar nicht erst probiert ;).

Au revoir!
Julia.

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