Mittwoch, 1. April 2015

Bern, die Hauptstadt??

Letztes Wochenende ging es für mich nach Bern. Begleitet wurde ich von einer Assistenzärztin aus der Inneren Medizin.
Wir hatten uns für die eine Nacht, die wir in Bern übernachten wollten, 2 Betten in einem Mehrbettzimmer in einer Jugendherberge gebucht. Gerade angekommen erwartete uns der erste Schock. Das Mehrbettzimmer, das auf dem Foto im Internet wie ein 6-Bett-Zimmer aussah, war in Wirklichkeit ein 22-Bett-Zimmer. Glücklicherweise waren es am Abend aber mit uns nur 7 Leute, die darin schliefen.
Ansonsten war die Jugendherberge echt tip top. War mit 34 CHF sogar super billig. In dem Preis war sogar noch das unbegrenzte Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel in Bern mitinbegriffen.
Die Jugendherberge lag direkt unter dem Bundeshaus der Schweiz ca. 50 m tiefer. Wir hatten super Training an diesen 2 Tagen mit mehrmals am Tag diesen Anstieg hoch und wieder herunter zu kommen.

Am Samstag, als noch gutes Wetter war, erkundeten wir auf eigene Faust die Berner Altstadt. Unter anderem bestiegen wir den Münster von Bern. Nach 333 Stufen waren wir fast ganz oben angekommen und hatten einen mehr oder weniger guten Ausblick auf Bern. Leider war es in den höheren Lagen nebelig. Aber seht selbst:

Berner Münster
333 Stufen auf einer Wendeltreppe...

Im Münster konnten wir sogar noch einer Probe des Orchesters mit der Matthäus-Passion von J.S. Bach anhören. Was für ein toller Zufall!

Danach ging es weiter zu unserer Führung durch das Bundeshaus. Wir hatten vorsichtshalber die Tour auf Englisch gebucht. Die Berner sind nämlich dafür bekannt das unverständlichste Schweizerdeutsch zu sprechen. Das war auch richtig so. Schon an der Sicherheitskontrolle wäre ich nämlich an Sprachschwierigkeiten gescheitert, wenn ich nicht gewusst hätte, dass der Herr meinen Pass sehen wollte.
Nachdem ich die Sprachschwierigkeiten überwunden hatte, konnte ich auch endlich meine Lücken in der schweizerischen Geschichte füllen. So lernte ich, dass sie Ende des 13. Jhd. aus den drei Urkantonen Schwyz, Uri und Unterwalden gegründet wurde. Das gesamte Bundeshaus ist relativ einfältig eingerichtet dafür, dass es schon so alt ist.
Die Regierung der Schweiz besteht aus dem Nationalrat und dem Ständerat vergleichbar mit dem us-amerikanischen Repräsentantenhaus und Senat. Im Nationalrat hängt die Zahl der Repräsentanten eines Kantons von der Größe des Kantons ab. Im Ständerat dagegen hat jeder Kanton eine fixe Anzahl an Repräsentanten. 
Die Schweizer sträuben sich gegen Modernisierung. So wurde das digitale Abstimmungssystem im Nationalrat erst letztes Jahr eingeführt. Im Ständerat dagegen wurde es schon vor 15 Jahren eingeführt.
Auf dem Platz vor dem Bundeshaus wurde in den 2000ern 26 Wasserfontänen installiert. Sie sollen sie 26 Kantone der Schweiz symbolisieren.

Ständerat
Nationalrat
Bundeshaus Frontansicht
Bundeshaus Rückansicht nachts
Am Nachmittag sind wir auf den Gurten, Hausberg von Bern, hoch gefahren. Leider schlug das Wetter dort schon um, sodass wir nicht mehr so einen schönen Ausblick auf Bern hatten. Dennoch hatte ich mein Spaß auf Creolino, dem liebenswürdigen Drachen.


Am Sonntag besuchten wir das Einstein-Haus und machten im Nieselregen eine Stadtführung, die unerwartete Informationen für uns bereit hielt. So erfuhren wir, dass Bern eigentlich gar nicht die Hauptstadt ist, sondern die Bundesstadt. Es gab nämlich bei der Gründung des schweizerischen Bundesstaates eine Kontroverse darüber, ob der Staat überhaupt eine Hauptstadt haben solle und wenn ja wo. Der Kompromiss war eine Bundesstadt in Bern.
Berner sind dafür bekannt, dass sie langsamer als der Rest der Schweiz sind. Um diesem Gerücht eine wissenschaftlische Basis zu geben, machten ETH-Studenten aus Zürich die Studie "The Speed of Life: Wie schnell läuft ein Schweizer?". Es wurde tatsächlich belegt, dass Berner 6% langsamer laufen als Zürcher und sogar 16% langsamer sprechen als Zürcher! Nur Fußgänger in Bahrain und Malawi sind langsamer!


Damit endete mein Wochenende in Bern.

Adios.
Julia.

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