Wie so oft schon in anderen Ländern, wollte ich nicht einfach so herum laufen. Deswegen hielt ich Ausschau nach einer geführten Tour durch Zürich. Um den teuren Preisen der Schweiz zu entgehen griff ich auf die Free Walking Tours (http://www.freewalkzurich.ch/), die in vielen verschiedenen Städten weltweit angeboten werden, zurück. Das soll keine Werbung sein nur eine Empfehlung ;)! Hier gibt man am Ende der Tour so viel Trinkgeld, wie man denkt die Tour wert war.
Ich hatte bis jetzt noch nicht so eine gute Meinung über diese Touren, da der Guide in Philadelphia, wo ich das auch schon machen wollte, leider nicht auftauchte. Aber heute hatte ich mehr Glück.
So wurde ich 2 Stunden durch Zürichs Altstadt geführt. Glücklicherweise auf Englisch, denn das Switzerdütsch des Guides war unverständlich für meine norddeutschen Ohren.
Es ging los auf Zürichs Paradeplatz, der heute eigentlich nur noch ein für Zürichs Verhältnisse große Straßenbahn-Umsteigehaltestelle ist. Also einen Paradeplatz habe ich mir ehrlich gesagt etwas größer vorgestellt. Aber gut. Die Schweizer Armee ist ja auch nicht so groß. Mischen sich ja sowieso nirgends ein.
Weiter ging es zu den ganzen Kirchen in Zürichs Altstadt. Begonnen wurde mit Fraumünster, eine der bekanntesten Kirchen Zürichs. Bekannt wurde sie durch Marc Chagalls Fenster. Einem wohl sehr bekannten Künstler dahin gehend scheinbar. Mich haben die Fenster jetzt nicht unbedingt so angeturnt. Aber Kunst ist auch nicht so meins. Konnte die Fenster nicht fotografieren ansonsten hättet ihr sie jetzt hier bewundern können.
Danach ging es gleich weiter zur St. Peterskirche. Das Lustige an dieser Kirche ist ihre Zweifarbigkeit. Das Kirchenschiff gehört nämlich der Gemeinde. Der Kirchturm dagegen der Stadt Zürich, da er früher feuerpolizeiliche Aufgaben hatte. Die Stadt hat natürlich nie Geld. Deswegen gab es auch keine neue Farbe.
In der gesamten Stadt findet man immer wieder Bilder oder Statuen von Frauen in Soldatenoutfit. Das rührt daher, dass als die Schweizer gerade einen Krieg führten (also ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das tatsächlich mal statt gefunden hat und die Schweiz nicht neutral war!!) und niemand da war, der die Stadt Zürich verteidigen konnte. Die Habsburger dachten sich nämlich, dass wenn alle Männer an der Front kämpften niemand da wäre um Zürich zu verteidigen. Also verkleideten sich die Frauen Zürichs und versammelten sich auf dem Lindenhof. Von dort aus konnten sie von weit entfernt gesehen werden. Auch von der herankommenden Habsburgern, die so erschrocken waren, dass sie gleich wieder kehrt machten. Warum waren die Habsburger nur solche Angsthasen? Hätten sie gewonnen, würde nämlich in Zürich auch mal richtiges Deutsch gesprochen werden!
Zwischendurch sind wir immer mal durch die heimeligen kleinen Gässchen der Altstadt gegangen. Irgendwann hat es uns dann auch zu dem Lindenhof verschlagen, wo die Züricher Frauen die Habsburger verscheuchten. Heute wird dieser Platz zur Vergnügung der Züricher genutzt. Neben Parkbänken mit schönem Ausblick auf Niederdörfli nutzen die Züricher diesen Platz um Boule zu spielen und anderen Amüsement nach zu gehen.
Nach dem ich Niederdörfli dann schon von weitem sah, gingen wir es noch einmal von der Nähe betrachten. Es ist die Amüsiermeile der Züricher.
Die Tour endete am Grossmünster, natürlich wie sollte es auch anders sein, einer Kirche. Aber endlich mal eine Kirche, auf deren Kirchturm man steigen darf. Deshalb hatte ich dann noch einen ganz netten Ausblick über Zürich, obwohl es trotz Sonne in den höheren Lagen noch nebelig war.
Übrigens Schweizer mögen es gar nicht, wenn man über rote Ampeln geht. Das geht sogar soweit, dass man böse angeschaut wird. Für Verkehrssünden im Allgemeinen gibt es hier sehr happige Strafen, habe ich gehört.
Liebste Grüße,
Julia.
PS: Chuck Norris wurde heute 75 Jahre alt. Ich las dazu heute die besten Chuck Norris Witze. Es gab auch einen für die Schweiz: Die Schweiz ist nur deshalb neutral, weil sie nicht weiß auf welcher Seite Chuck Norris steht! :D
PPS: Ich entschuldige mich bei allen Schweizern für das Herumtrampeln auf den typischen Vorurteilen und Klischees. Es macht nur immer so sehr viel Spaß! ;P
Liebstes Doktorchen,
AntwortenLöschendu kennst Chagall nicht? Entsetzen! Und dabei heiße ich nicht S. und bin Kunsthistorikerin! Du warst (hoffentlich [Wer verpasst so eine Möglichkeit?]) in NY im MoMa. Da sollten dir ein paar von Chagalls Pferdchen (bitte googeln!) über den Weg gelaufen sein. Ich hab' sie bestaunt, denn bei mir wiehert ja sonst nur der Amtsschimmel quer über'n Flur.
Liebe Grüße,
Beachside