So die erste Woche in der Inneren ist überstanden. Es tut mir leid, dass
ich mich nicht früher gemeldet habe. Hier war einfach zu viel los.
Ich
lebe hier in einem Haus neben dem Krankenhaus mit den ganzen anderen
Unterassistenten, wie die PJler genannt werden. (Dieser lange Name
kann auch abgekürzt werden zu "Uhu" oder "Unterhund" :)). Das Zimmer ist
eigentlich so groß wie mein Zimmer daheim. Allerdings frage ich mich
echt welcher I**** es eingerichtet hat. Die 14 m² sind komplett
zugestellt.
Aber eigentlich sollte ich mich ja nicht beschweren. Ich
habe ja schon in ganz anderen Baracken gewohnt. Im Vergleich zum Gerry
House in den USA ist es ein ganz großer Schritt nach oben. Wir haben
hier sogar ein richtige Küche!!! Ich kann mein Glück darüber kaum
fassen.
Fast jeden Abend sitzt man hier mit den anderen Uhus/Assisztenzärzten zusammen oder unternimmt etwas. Deswegen kam ich auch nicht dazu etwas zu schreiben.
Wil ist ein beschaulicher kleiner Ort in der Ostschweiz
mit einem wunderschönen Bergpanorama. Hier kommen mal ein paar Bilder,
die ich letzten Sonntag geschossen habe. Die anderen Uhus und ich sind
uns mal den "Wiler Turm" anschauen gegangen.
Ich bin in der
Inneren Medizin (leider) hier im Spital. Ganz ehrlich dieser Job kommt
mir vor als wäre man eher Patientensachbearbeiter als Arzt. Irgendwie
besteht mein Tag aus Telefonaten, Visite und dann Berichte schreiben.
Die einzig wirklich praktische Sache am Patienten, die ich diese Woche
machte, war ein arterielle Blutabnahme. Das war's!
Allerdings habe
ich noch Glück mit dem Spital hier. Die internistischen oder
"medizinischen" Uhus, wie es hier heißt, müssen auch die chirurgischen
Nacht- und Wochenenddienste mit abdecken. Deswegen sitze ich auch gerade
hier. Ich habe Samstagsdienst. Bis jetzt kam jedoch glücklicherweise
kein Anruf.
Es gibt auch hier jedemenge Fortbildungen. So war ich am
Donnerstag im Gipskurs. Wir lernten die verschiedenen Gipse der oberen
Extremität kennen. Hierbei wurden auch keine Kosten und Mühe gescheut.
Jeder durfte 3 verschiedene Gipse aus diesem modernen Hartcast-Material
anlegen.
Die Assistenzärztin, der ich zur Zeit zugeordnet bin,
ist natürlich Deutsche. Es gibt hier sehr viel Deutsche, aber vor allem
unter den Chirurgen.
Das Schweizerdeutsch war am Anfang wie eine
neue Sprache. Ganz ehrlich in den USA war es wesentlich einfach
Englisch zu verstehen als hier meine eigene Muttersprache mit einem
fremden Akzent. Inzwischen geht es schon ein wenig besser. Bin jetzt bei
einem Verständnis von 50% vom Gesagten :D. Allerdings ist es immer noch
sehr lustig den Schweizern zuzuhören. Dieser Akzent ist einfach zum
lachen!
Die sprachlichen Besonderheiten sind auch herrlich lustig!
"Hallo", "tschüß" oder "ciao" sind ein absolutes NoGo zu Patienten oder
Mitarbeitern, die man nicht duzt. Das ist viel zu persönlich, wurde mir
gesagt. "Grüzi", "Hoi" oder "Adie" sind die Wörter, die man stattdessen
benutzen sollte. Na da bin ich ja froh, dass ich nicht noch "Grüß Gott"
sagen muss.
Das Spital ist ein Minispital. Abteilungen wie
Neurologie oder Psychiatrie gibt es leider nicht. Das führt letztendlich
dazu, dass aller Scheiß zu den Internisten kommt. Von unseren 10
Patienten, die meine Assistenzärztin und ich Anfang der Woche
bearbeiteten, waren 1 oder 2 Patienten internistisch. Der Rest war
entweder zum körperlichen Entzug von Alkohol oder anderen Drogen oder
wegen irgendwelcher neurologischer Probleme da.
Körperlicher Entzug ist hier ein großes Thema. Es sind ständig Patienten deswegen auf Station.
Soviel aus dem Spital.
Es
ist krass, wie man kulturelle Angewohnheiten wieder stärker wahrnimmt,
wenn man etwas länger im Ausland war. Alles schreit hier nach deutscher
Korrektheit, Sparsinn - um nicht zu sagen Geiz - und Effizienz. Ein
wenig vermisse ich die amerikanische Offenheit der Leute.
Morgen werde ich mich wahrscheinlich Zürich anschauen.
Ade!
Julia.
PS: Die Kirchenglocken sind übrigens hier so dermaßen laut, dass die Lautstärke eines Rockkonzerts erreicht wird, wenn man direkt vor der Kirche steht.
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