Samstag, 14. März 2015

Ich finde einfach keinen vernünftigen Titel!

So die erste Woche in der Inneren ist überstanden. Es tut mir leid, dass ich mich nicht früher gemeldet habe. Hier war einfach zu viel los.
Ich lebe hier in einem Haus neben dem Krankenhaus mit den ganzen anderen Unterassistenten, wie die PJler genannt werden. (Dieser lange Name kann auch abgekürzt werden zu "Uhu" oder "Unterhund" :)). Das Zimmer ist eigentlich so groß wie mein Zimmer daheim. Allerdings frage ich mich echt welcher I**** es eingerichtet hat. Die 14 m² sind komplett zugestellt.
Aber eigentlich sollte ich mich ja nicht beschweren. Ich habe ja schon in ganz anderen Baracken gewohnt. Im Vergleich zum Gerry House in den USA ist es ein ganz großer Schritt nach oben. Wir haben hier sogar ein richtige Küche!!! Ich kann mein Glück darüber kaum fassen.
Fast jeden Abend sitzt man hier mit den anderen Uhus/Assisztenzärzten zusammen oder unternimmt etwas. Deswegen kam ich auch nicht dazu etwas zu schreiben.

Wil ist ein beschaulicher kleiner Ort in der Ostschweiz mit einem wunderschönen Bergpanorama. Hier kommen mal ein paar Bilder, die ich letzten Sonntag geschossen habe. Die anderen Uhus und ich sind uns mal den "Wiler Turm" anschauen gegangen.









Ich bin in der Inneren Medizin (leider) hier im Spital. Ganz ehrlich dieser Job kommt mir vor als wäre man eher Patientensachbearbeiter als Arzt. Irgendwie besteht mein Tag aus Telefonaten, Visite und dann Berichte schreiben. Die einzig wirklich praktische Sache am Patienten, die ich diese Woche machte, war ein arterielle Blutabnahme. Das war's!
Allerdings habe ich noch Glück mit dem Spital hier. Die internistischen oder "medizinischen" Uhus, wie es hier heißt, müssen auch die chirurgischen Nacht- und Wochenenddienste mit abdecken. Deswegen sitze ich auch gerade hier. Ich habe Samstagsdienst. Bis jetzt kam jedoch glücklicherweise kein Anruf.
Es gibt auch hier jedemenge Fortbildungen. So war ich am Donnerstag im Gipskurs. Wir lernten die verschiedenen Gipse der oberen Extremität kennen. Hierbei wurden auch keine Kosten und Mühe gescheut. Jeder durfte 3 verschiedene Gipse aus diesem modernen Hartcast-Material anlegen.

Die Assistenzärztin, der ich zur Zeit zugeordnet bin, ist natürlich Deutsche. Es gibt hier sehr viel Deutsche, aber vor allem unter den Chirurgen.

Das Schweizerdeutsch war am Anfang wie eine neue Sprache. Ganz ehrlich in den USA war es wesentlich einfach Englisch zu verstehen als hier meine eigene Muttersprache mit einem fremden Akzent. Inzwischen geht es schon ein wenig besser. Bin jetzt bei einem Verständnis von 50% vom Gesagten :D. Allerdings ist es immer noch sehr lustig den Schweizern zuzuhören. Dieser Akzent ist einfach zum lachen!
Die sprachlichen Besonderheiten sind auch herrlich lustig! "Hallo", "tschüß" oder "ciao" sind ein absolutes NoGo zu Patienten oder Mitarbeitern, die man nicht duzt. Das ist viel zu persönlich, wurde mir gesagt. "Grüzi", "Hoi" oder "Adie" sind die Wörter, die man stattdessen benutzen sollte. Na da bin ich ja froh, dass ich nicht noch "Grüß Gott" sagen muss. 

Das Spital ist ein Minispital. Abteilungen wie Neurologie oder Psychiatrie gibt es leider nicht. Das führt letztendlich dazu, dass aller Scheiß zu den Internisten kommt. Von unseren 10 Patienten, die meine Assistenzärztin und ich Anfang der Woche bearbeiteten, waren 1 oder 2 Patienten internistisch. Der Rest war entweder zum körperlichen Entzug von Alkohol oder anderen Drogen oder wegen irgendwelcher neurologischer Probleme da.
Körperlicher Entzug ist hier ein großes Thema. Es sind ständig Patienten deswegen auf Station.
Soviel aus dem Spital.

Es ist krass, wie man kulturelle Angewohnheiten wieder stärker wahrnimmt, wenn man etwas länger im Ausland war. Alles schreit hier nach deutscher Korrektheit, Sparsinn - um nicht zu sagen Geiz - und Effizienz. Ein wenig vermisse ich die amerikanische Offenheit der Leute.

Morgen werde ich mich wahrscheinlich Zürich anschauen.

Ade!
Julia.

PS: Die Kirchenglocken sind übrigens hier so dermaßen laut, dass die Lautstärke eines Rockkonzerts erreicht wird, wenn man direkt vor der Kirche steht. 

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