Samstag, 7. Februar 2015

A Bloody Mess

In der vergangenen Woche finge ich meine letzte Rotation hier in den USA an. Wie schon im letzten Artikel angedeutet ging es für mich in die Herzchirurgie.
 Am Montag fing die Rotation um 7:30 an (ansonsten immer um 6:30). Was für Traumzeiten! Aber dafür gleich so richtig. Mein Oberarzt kündigte mir gleich an, dass wir heute "das Katastrophenherz" operieren würden. Der Patient hatte eine fette Endokarditis - Entzündung der Herzinnenhaut -, die sogar mit Abzessbildung einherging. Die Endokarditis hatte aber nicht nur für den Abzess gesorgt sondern dazu noch für einen Befall von sowohl Aortenklappe als auch Mitralklappe (Klappen des linken Herzens).
Nachdem der Patient endlich mit unzähligen Kabeln und Kathetern präpariert war, konnte es losgehen. Mir gefiel besonders der Part mit der Knochensäge als das Sternum durchtrennt wurde. Da würde ich auch gern mal selbst Hand anlegen. :-) Irgendwann erreichten wir dann auch das Herz. Dann hieß es Herz-Lungen-Maschine anschließen. Als das dann endlich erledigt war, konnten die Ärtze endlich auch mit der eigentlichen Arbeit anfangen.
Nun wurde nach und nach der Abzess entfernt, das entstande Loch mit Rinder-Herzbeutel ausgebessert und dann die beiden Klappen ausgetauscht. Dann musste der Patient natürlich noch von der Herz-Lungen-Maschine entwöhnt werden, was oft eine ganze Weile dauern kann. Um 5:30 waren sie dann endlich fertig und ich konnte mich auf den nächsten Stuhl werfen, weil meine Hacken inzwischen Alarmstufe Rot ansagten.

Während eines solchen Eingriffes ist es unglaublich unaufgeräumt in der sterilen Zone auf dem Patienten. Überall Schläuche, Instrumente und vor allem überall Blutspritzer. Zudem fliegen dann auch schon mal Nadeln - wahlweise mit oder ohne Nadelhalter - durch die Gegend. Ich warte echt nur noch darauf bis der erste Student von einer dieser Nadeln getroffen wird.
Eigentlich war ich von der restlichen Chirurgie echt beeindruckt, wie vorsichtig sie mit Nadeln umgehen. Es wurde eigentlich immer "Nadel zurück" oder Ähnliches gesagt. Zumindest hat der Operateur immer dahin geschaut, wo er die zurück zu gebende Nadel platziert. In der Herzchirurgie wird ohne Rücksicht auf Verluste mal eben ein Bündel an benutzten Nadeln in Richtung OP-Schwester geworfen ohne auch nur mal dort hin zu schauen, ob da auch keine Hände von Studenten oder anderem Personal rum liegen. Hier ist eindeutig Vorsicht geboten!
Beim Entfernen oder Einführen der Kanülen von der Herz-Lungen-Maschine kann es auch schon mal zu kleinen Blutfontänen kommen :-), was das sterile Feld (und die Chirurgen) jedoch nicht unbedingt sauberer erscheinen lässt. (Mit "sauber" beziehe ich mich gerade nicht auf den hygienisch-sterilen Status des OP-Feldes, nur auf das Aussehen.)

Im Verlauf der Woche sah ich dann so ungefähr alles was hier so gemacht wird in der Herzchirurgie - von Herzklappen eingebaut mittels Katheter oder offener OP über Reperatur einer Aortendissektion bis hin zu Bypass-OPs. Das OP-Spektrum ist leider nicht so sehr breit hier. Mal ganz davon abgesehen, dass man hier als Student im OP nicht wirklich in der OP partizipieren kann, auch nicht wenn man sich dann mal einwaschen darf.
Dafür ist aber das Teaching echt gut. Langsam werden meine spärlichen Kardiologie- und Hämodynamikkenntnisse aufgefrischt und ausgebaut.

Mal schauen ob die neue Woche noch eine Überraschung mit sich bringt.
Julia.

PS: Die Christina Yang in mir gibt es eindeutig nicht! Nicht dass ich Herzchirurgie nicht mögen würde, aber das mein ganzes Leben lang zu machen?? Nee, nee.

1 Kommentar:

  1. Liebes Doktorchen!

    Die kardiologischen Eingriffe als sehr begrenzt zu bezeichnen, ist wohl richtig. Schließlich ist das Herz nicht so wie die von dir geliebten Gliedmaßen. Es gibt es nur ein Mal!
    Doch was du da von den OPs schreibst, gibt mir echt zu denken! Ich werde ab sofort (und für die nächste Woche) besser auf mein eigenes achten.

    LG,
    Beachside

    AntwortenLöschen