Eigentlich wollten wir noch gechillt in Berlin an der Spree einen Cocktail schlürfen, doch Turkish Airlines machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es gab ein paar technische Probleme beim Online Check-in, die trotz mehrmaliger Telefonate mit der Servicehotline nicht geklärt werden konnten auf Grund einer Sprachbarriere. Deshalb mussten wir dann doch zum regulären Check-In am Flughafen sein und verbrachten unfreiwillig einige Stunden in sitzender Position vor dem Check-In-Schalter. Das konnte unsere Reiselaune aber nicht trüben. Nachdem dann endlich alle Koffer mit bangem Herzen und erleichtertem Rücken abgegeben waren, verflog die Zeit bis zur Sicherheitskontrolle wie im Nu.
Bei der
Sicherheitskontrolle kam es zur ersten hammermäßigen (im wahrsten Sinne des
Wortes) Begegnung des Abends. Zuerst brachten Aline ihre Schuhe nicht durch die
Sicherheitskontrolle und dann kam der Hammer. Es wurde ein undefinierbarer
Gegenstand auf dem Röntgenbild gesehen. Sie durfte auspacken und das Geheimnis
um diesen Gegenstand lüften: Überraschung ein Reflexhammer!! Dies führte zu
allgemeinem Gelächter.
Gefühlte 10 km weiter auf
dem Istanbuler Flughafen, hatten wir endlich unser Gate gefunden und konnten
nun in Richtung unseres eigentlichen Ziels aufbrechen (0:55).
Nachdem wir schon auf
unserem Zubringerflug ein opulentes Mahl genossen hatten, sollten wir doch
tatsächlich um 2:30 nachts nochmal fast dasselbe zu uns nehmen. Außerdem wurde
im stündlichen Takt Getränke angeboten und dabei sicherlich die Hälfte der
Passagiere wieder aufgeweckt. Nur Jule schlief wie immer tief und fest wie ein
Murmeltier.
Am Morgen ging es dann
nahtlos auf zur nächsten Mahlzeit. Dann waren wir auch schon im Anflug auf
Jo’burg, wie die Südafrikaner Johannesburg auch nennen. Wir konnten die ersten
Blicke auf südafrikanischen Boden werfen.
Nach nur drei weiteren
Stunden setzten wir dann auch in Kapstadt auf und wurden herzlich willkommen
geheißen. Nun sollte eine kleine bürokratische Odyssee beginnen. Wir brauchen
offiziell für unsere Famulatur am Krankenhaus einen Vermerk im Reisepass, dass
wir „visiting students“ sind. Dafür brauchten wir einen Immigration Officer,
den man leider nur ganz zufällig am Flughafen antreffen kann. Also machten wir
uns auf die Suche und erklärten mehrfach mit mehr oder auch manchmal
weniger Erfolg diesen etwas
komplizierten Sachverhalt. Schließlich landeten wir in einem nach Hinterhof
aussehenden Sicherheitsbüro, wo wir nach endlosen Minuten (afrikanische
Gelassenheit!) einen der Immigration Officer trafen. Dieser „entführte“ Jule so
lange, dass Aline schon die Befürchtung hatte, sie sei verschleppt worden.
Leider erklärte der Chef des Immigration Office am Ende dieser Odyssee Jule
dann endlich, dass er gar nicht berechtigt sei, solch einen Vermerk zu machen.
Also brachen wir mit
einem etwas klapprig wirkenden Taxi auf zum Krankenhaus. Nach einer etwa 10
minütigen Fahrt erhob sich das schier riesig wirkende Krankenhaus am
Straßenrand. Die Fahrt dorthin absolvierten sowohl Fahrer als auch Aline ohne
funktionierenden Sicherheitsgurt. Der Fahrer erklärte, dass dies auch in
Kapstadt nicht nötig sei, da Kapstädter die sichersten Fahrer der Welt seien (!).
Die Resultate dieser „sichersten Fahrer der Welt“ erwarten uns sicherlich
während unserer Famulatur in der Notaufnahme.
Hier angekommen wurden
wir gleich von mehreren Fremden/zukünftigen Kollegen super nett begrüßt und
herumgeführt. Wir statteten auch gleich mal den Damen vom International Office
einen Besuch ab und wurden hier mit unzähligen Informationen gefüttert. Hier
erhielten wir auch unsere richtig professionell aussehenden Studentenausweise,
der uns Zugang zu fast allen Türen verschafft. Nur leider mit der Tür zu
unserer eigenen Eingangstür im Studentenwohnheim hapert es immer wieder.
Die WGs/Zimmer im
Studentenwohnheim sind gut, aber schlicht ausgestattet. Der Südafrikaner sagt
dazu „no luxury“. Zu diesem Luxus zählt zu unserem Leidwesen auch eine Heizung. Ihr müsst
wissen, hier in Südafrika ist gerade Winter und die Häuser sind schlecht
isoliert. Das heißt wir frieren uns hier abends den Arsch ab. Dagegen begrüßen
uns am Tag sonnige, so gar nicht winterliche 19 °C.
„No luxury“ heißt
scheinbar auf Südafrikanisch auch, dass man einen Außenpool mit geschätzten 10
°C Wassertemperatur und in der Küche ein Bügeleisen (was wir hier am Wenigsten
vermutet hätten) besitzt.
Noch ein letztes Wort zu
Turkish Airlines (für alle Reiselustigen): So toll der Service an Board ist
(Decke, Kopfkissen, Zahnbürste, Ohropax, Lippenbalsam, Socken, Hausschuhe,
viele viele Mahlzeiten, ein unbeschreiblich tolles Entertainment-System, mit
dem man nicht nur Filme/Serien anschauen kann, sondern auch seine Tetris- und
andere Spieleleidenschaften wieder aufflammen lassen kann) ist, so inkompetent
sind die Mitarbeiter auf festen Boden, wenn es darum geht, auf einfache Fragen
am Telefon die richtige Antwort zu geben. Der tolle Flug lässt aber die etwas
unglückliche Telefonvorgeschichte verblassen, sodass wir jedem zu Turkish
Airlines raten können.
Liebste Grüße von den
Reisewütigen ;-)
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