Dienstag, 30. Juli 2013

1 Tag, 3 Kontinente - gefühlt wie eine Woche

Der Tag der Tage war gekommen. Wir hatten alles zusammen gepackt und waren startklar für das Abenteuer unseres Lebens. Mit gefühlten 100 kg machten wir uns bei deutscher, sommerlicher Hitze auf den Weg zum Flughafen.
Eigentlich wollten wir noch gechillt in Berlin an der Spree einen Cocktail schlürfen, doch Turkish Airlines machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es gab ein paar technische Probleme beim Online Check-in, die trotz mehrmaliger Telefonate mit der Servicehotline nicht geklärt werden konnten auf Grund einer Sprachbarriere. Deshalb mussten wir dann doch zum regulären Check-In am Flughafen sein und verbrachten unfreiwillig einige Stunden in sitzender Position vor dem Check-In-Schalter. Das konnte unsere Reiselaune aber nicht trüben. Nachdem dann endlich alle Koffer mit bangem Herzen und erleichtertem Rücken abgegeben waren, verflog die Zeit bis zur Sicherheitskontrolle wie im Nu.
Bei der Sicherheitskontrolle kam es zur ersten hammermäßigen (im wahrsten Sinne des Wortes) Begegnung des Abends. Zuerst brachten Aline ihre Schuhe nicht durch die Sicherheitskontrolle und dann kam der Hammer. Es wurde ein undefinierbarer Gegenstand auf dem Röntgenbild gesehen. Sie durfte auspacken und das Geheimnis um diesen Gegenstand lüften: Überraschung ein Reflexhammer!! Dies führte zu allgemeinem Gelächter.
Pünktlich um 19 Uhr starteten wir und erlebten einen wunderschönen Sonnenuntergang im Flieger. In Istanbul bei heißen 25°C angekommen, kam gleich die nächste Sicherheitskontrolle. Auch hier wollten Alines Schuhe wieder eine Dosis Röntgenstrahlung abbekommen. Dann sah man für die nächsten 2 Minuten nur noch die verwirrten Gesichter der türkischen Sicherheitsbeamten, die mal wieder versuchten den besagten Gegenstand in ihrem Rucksack zu enträtseln. Ein findiger Beamte fragte dann erst einmal: „What is your job?“. Mit der Antwort „Medical Student“ gaben sie sich zufrieden und fragten nicht weiter.
Gefühlte 10 km weiter auf dem Istanbuler Flughafen, hatten wir endlich unser Gate gefunden und konnten nun in Richtung unseres eigentlichen Ziels aufbrechen (0:55).
Nachdem wir schon auf unserem Zubringerflug ein opulentes Mahl genossen hatten, sollten wir doch tatsächlich um 2:30 nachts nochmal fast dasselbe zu uns nehmen. Außerdem wurde im stündlichen Takt Getränke angeboten und dabei sicherlich die Hälfte der Passagiere wieder aufgeweckt. Nur Jule schlief wie immer tief und fest wie ein Murmeltier.
Am Morgen ging es dann nahtlos auf zur nächsten Mahlzeit. Dann waren wir auch schon im Anflug auf Jo’burg, wie die Südafrikaner Johannesburg auch nennen. Wir konnten die ersten Blicke auf südafrikanischen Boden werfen.
Nach nur drei weiteren Stunden setzten wir dann auch in Kapstadt auf und wurden herzlich willkommen geheißen. Nun sollte eine kleine bürokratische Odyssee beginnen. Wir brauchen offiziell für unsere Famulatur am Krankenhaus einen Vermerk im Reisepass, dass wir „visiting students“ sind. Dafür brauchten wir einen Immigration Officer, den man leider nur ganz zufällig am Flughafen antreffen kann. Also machten wir uns auf die Suche und erklärten mehrfach mit mehr oder auch manchmal weniger  Erfolg diesen etwas komplizierten Sachverhalt. Schließlich landeten wir in einem nach Hinterhof aussehenden Sicherheitsbüro, wo wir nach endlosen Minuten (afrikanische Gelassenheit!) einen der Immigration Officer trafen. Dieser „entführte“ Jule so lange, dass Aline schon die Befürchtung hatte, sie sei verschleppt worden. Leider erklärte der Chef des Immigration Office am Ende dieser Odyssee Jule dann endlich, dass er gar nicht berechtigt sei, solch einen Vermerk zu machen.
Also brachen wir mit einem etwas klapprig wirkenden Taxi auf zum Krankenhaus. Nach einer etwa 10 minütigen Fahrt erhob sich das schier riesig wirkende Krankenhaus am Straßenrand. Die Fahrt dorthin absolvierten sowohl Fahrer als auch Aline ohne funktionierenden Sicherheitsgurt. Der Fahrer erklärte, dass dies auch in Kapstadt nicht nötig sei, da Kapstädter die sichersten Fahrer der Welt seien (!). Die Resultate dieser „sichersten Fahrer der Welt“ erwarten uns sicherlich während unserer Famulatur in der Notaufnahme.
Hier angekommen wurden wir gleich von mehreren Fremden/zukünftigen Kollegen super nett begrüßt und herumgeführt. Wir statteten auch gleich mal den Damen vom International Office einen Besuch ab und wurden hier mit unzähligen Informationen gefüttert. Hier erhielten wir auch unsere richtig professionell aussehenden Studentenausweise, der uns Zugang zu fast allen Türen verschafft. Nur leider mit der Tür zu unserer eigenen Eingangstür im Studentenwohnheim hapert es immer wieder.
Die WGs/Zimmer im Studentenwohnheim sind gut, aber schlicht ausgestattet. Der Südafrikaner sagt dazu „no luxury“. Zu diesem Luxus zählt zu unserem Leidwesen auch eine Heizung. Ihr müsst wissen, hier in Südafrika ist gerade Winter und die Häuser sind schlecht isoliert. Das heißt wir frieren uns hier abends den Arsch ab. Dagegen begrüßen uns am Tag sonnige, so gar nicht winterliche 19 °C.
„No luxury“ heißt scheinbar auf Südafrikanisch auch, dass man einen Außenpool mit geschätzten 10 °C Wassertemperatur und in der Küche ein Bügeleisen (was wir hier am Wenigsten vermutet hätten) besitzt.
Noch ein letztes Wort zu Turkish Airlines (für alle Reiselustigen): So toll der Service an Board ist (Decke, Kopfkissen, Zahnbürste, Ohropax, Lippenbalsam, Socken, Hausschuhe, viele viele Mahlzeiten, ein unbeschreiblich tolles Entertainment-System, mit dem man nicht nur Filme/Serien anschauen kann, sondern auch seine Tetris- und andere Spieleleidenschaften wieder aufflammen lassen kann) ist, so inkompetent sind die Mitarbeiter auf festen Boden, wenn es darum geht, auf einfache Fragen am Telefon die richtige Antwort zu geben. Der tolle Flug lässt aber die etwas unglückliche Telefonvorgeschichte verblassen, sodass wir jedem zu Turkish Airlines raten können.

Liebste Grüße von den Reisewütigen ;-)



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